18.01.09

Seines eigenen Glückes Schmied

Doris Knecht | 01/09 | Kurier-Kolumne

Die Auswertung der LeserInnen-Reaktionen auf meine Zogaj-Kolumne ergibt:  44 Prozent der Mails schließen sich meiner Meinung an, dass die Zogaj-Kinder, egal was war, bei ihrer Mutter bleiben müssen. 56 Prozent finden das nicht, und die meisten dieser Mails enthalten wohlüberlegte Argumente,  warum alle Zogajs zurück in den Kosovo sollten.
Es gibt natürlich auch andere: in denen werden die Zogajs und andere Asylwerber „Gesindel“, „Bande“, und „kriminelles Pack“  geheißen.  Relativ unpassend im Zusammenhang  mit einer Familie, die sich (außer einer jugendlichen Wirtshausschlägerei, die straflos blieb) nichts zuschulden kommen hat lassen, als das Verbrechen, ihr eigenes Glück an einem besseren Ort zu schmieden. Und das, was in fünf Jahren zu ihrer Heimat geworden war, nicht mehr aufgeben zu wollen. (Es stellt sich übrigens die Frage, wann genau die Suche nach privatem Glück ein Verbrechen, aus seines eigenen Glückes Schmied ein Krimineller wurde.   Beziehungsweise ob man dann jenen Österreichern,  die aus beruflichen, also wirtschaftlichen Gründen ihren Wohnsitz in ein anderes Land  verlegen und ihre Familien nachkommen lassen, nicht eigentlich auch kriminelle Absichten unterstellen muss.)
Was Flüchtlinge durchmachen, die, diesfalls aus politischen Gründen, ihre Heimat verlassen, zeigt übrigens aktuell der Film „Ein Augenblick Freiheit“, des Wieners Arash T. Riahi, der selbst als Kind aus dem Iran geflüchtet ist. Der Film erhielt bereits zwölf internationale Auszeichnungen, und zwar  zu Recht. Riahi lässt  miterleben und mitfühlen, was Flucht, was Emigration bedeutet, besonders für Kinder. Gehen Sie ins Kino, bevor sie Flüchtlinge noch einmal „Gesindel“ nennen.
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