Doris Knecht
| 01/09
| Kurier-Kolumne
Auf meine Leserinnen und Leser ist Verlass: danke. Erstens bewiesen Sie mir, dass Sie, wenig überraschend, keine Prokrastinierer (Begriffserklärung unter www.kurier.at/interaktiv/blog/knecht) sind, indem Sie bereits Beschwerden über meine Kolumne einsandten, bevor die noch richtig erschienen war. Man könne, also bitte!, Hauptwörter nicht konjugieren. Ich habe jetzt zwei Möglichkeiten.
A) ich sage, was der Wahrheit entspricht, dass ich gewusst und trotzdem extra noch einmal nachgeschlagen habe, dass „konjugieren“ das Beugen von Verben bedeutet, allerdings der Meinung war, meine viffe Leserschaft würde den Weg von der Prokrastination zum prokrastinieren selber finden. Oder, B), ich werfe mich unter Mea-Culpa-Geheul in den Staub und gestatte so der p.t. Leserschaft, den Tag mit einem befriedigenden Triumpf über ihre Kolumnistin zu beginnen: Suchen Sie sich bitte einfach etwas aus.
Zweitens schenken Sie mir, wenn ich Ihnen eine ÖBB-Geschichte erzähle, gratis zwanzig zurück. Dafür bedanke ich mich herzlich, picke hier aber erst einmal nur meine Lieblingsgeschichte heraus. Es stand nämlich Leser Werner H. eines Samstags im Jänner mit zwei anderen Kunden vor dem Reisecenter im Bahnhof Floridsdorf, das, so Herr H., „laut Aushang um 7.15 Uhr hätte aufsperren sollen, aber noch immer geschlossen war“.
Werner H. irrte durch das Bahnhofsareal, fand keine einzige Auskunfststelle und kontaktierte schließlich das ÖBB-Callcenter unter der Telefonnummer 05-1717. Was erfuhr er dort? Er erfuhr, dass es überhaupt kein Reisecenter Floridsdorf gebe. Er nimmt also an, dass er sich das geschlossene Center vor ihm akut erträumte. Schön. Obwohl: Es gibt nettere Dinge, von denen man träumen kann.