Doris Knecht
| 01/09
| Kurier-Kolumne
Wer Skihüttenliedergeschichten sät, erntet Skihüttenliedergeschichten. Was einerseits gut ist: denn die öffentliche Belästigung mit Liedgut zum Thema Geschlechtsteile wird zusehends diskussionswürdig. Andererseits muss man sich mit Liedtexten beschäftigen, deren Vormittagstalkshow-Poesie einem die Zehennägel aufrollt.
Leser Andreas O. etwa schickte mir einen Text, dem er beim Eislaufen mit seiner Frau am Jagatee-Ausschank des Weissensees aus den Lautsprechern zu hören bekam. Das Lied heißt „Die Möhre“, hier ein paar Auszüge: „Das sind nicht 20 Zentimeter, nie Leben kleiner Peter.“ Und: „In der Kürze liegt die Würze, doch ich mag es lang und dick“ und „Ich bin deine Erklärerin, ich zeig dir, wie er steht“.
Leser Wolfgang S. musste sich beim Schifahren in Kleinarl während des Mittagessens – und in Gesellschaft zahlreicher Kinder, die gerade Schikurs-Pause machten – adäquates anhören: Lieder über „Beischlafvariationen und die zentimetergenaue Bestückung mancher Männer“, wie er schreibt: Beschwerden beim Hüttenwirt und beim Kleinarler Gemeindeamt seien ohne Reaktion geblieben.
Diese totale Vergenitalisierung der Spaßgesellschaft ist mir allmählich nicht mehr wurscht. Wenn sich verblödete Erwachsene privat verblödete Musik anhören wollen: bitte gern, ihre Sache. Aber wie kommen weniger verblödete Menschen und Kinder dazu, an diesem Hobby partizipieren zu müssen? Dass Lieder über Genitalien und Sexpraktiken völlig selbstverständlich tagsüber an Skiliften, in Gasthäusern und auf Eislaufplätzen gespielt werden, fällt unter sexuelle Belästigung von Kindern. Das gehört abgestellt, und zwar hui.