Doris Knecht
| 01/09
| Kurier-Kolumne
Nun will sich also auch Wien nicht länger gegen Gratiskindergärten sperren. Im Prinzip: gut. Jede Familie, jeder alleinerziehende Elternteil muss sich den Kindergarten leisten können. Und für zwei Kindergärtler zahlt man in Wien bisher leicht einmal 500 Euro im Monat.
Das Problem: Was nichts kostet, ist nichts Wert. Und im Unterschied zur Schule wird die Betreuung von Kleinkindern ja immer noch häufig als reine Kinder-Aufbewahrung betrachtet, für das es nur ein bisschen billiges, ungeschultes Aufpass, Fütter-, Mundabwisch-, Pflasteraufpick-, Tröst- und Spielzeugverteil-Personal braucht. Und das ist natürlich Unsinn.
Leider misst sich der gesellschaftliche Wert einer Tätigkeit an dem dafür verlangten Honorar. Was ausgebildete Kindergartenpädagoginnen durchschnittlich verdienen ist so gesehen ein Hohn, angesichts dessen, was von ihnen tatsächlich verlangt wird und was sie auch leisten. Der Mindestlohn einer ausgebildeten Kindergartenpädagogin beträgt im ersten Dienstjahr 1751,30 Euro, im zehnten 1912,90 Euro. Brutto, bitte. Und auch wenn Gemeinde und Privatkindergärten meistens etwas besser entlohnen: Viel ist uns die individuelle Förderung und Betreuung unserer Vorschulkinder nicht Wert.
Und darüber muss man eben auch reden, wenn man über Gratis-Kindergartenjahre spricht. Natürlich muss der Staat, wenn er – aus sehr guten Gründen – eine Kindergartenpflicht einführt, dafür auch bezahlen. Aber das müsste er erstens besser tun (dann würden vielleicht auch mehr Männer den Beruf ergreifen). Denn zweitens muss endlich gesellschaftlicher Konsens darüber herrschen, dass Kindergartenpädagogik wertvoll ist. Sehr wertvoll.