Doris Knecht
| 02/09
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| Unter Spießern
Neuer Plan. Die Mimis kriegen den Nintendo DS jetzt nicht mit acht oder zehn oder nie, sondern zum siebenten Geburtstag. Das beruht keineswegs auf innerer Überzeugung oder neugewonnener Einsicht, sondern ich weiche dem Druck all der anderen, vollkommen verantwortungslosen Eltern, die ihren Kindern längst Nintendo Dses gekauft haben und die jetzt meinen Kindern mit den Benefizien mehr oder weniger verkofferter Computerspiele das Hirn nachhaltig verbrennen. Wochenlang habe ich nichts anderes gehört als Nintendo DS, Nintendo DS und Mario Kart und Pokemonfürnintendo, und dass es übrigens auch ein Jamie-Oliver-Kochkurs-Spiel gebe, das sei ja wohl überhaupt nicht deppert, den ganzen Scheiß, wochenlang, und das gebe es jetzt auch in rot, so schön!, und kriege ich dann auch eins, vielleicht mit acht?, zum Geburtstag?, kriege ich?, kriege ich?, bittebittebittebittebittebitte!, und jetzt kann ich einfach nicht mehr. Der Lange auch nicht. Man wird es zeitlich beschränken. Sie dürfen aber nicht jeden Tag. Zwei Spiele pro Kind, und aus. Und für die Fahrten ins Waldviertel ist es sicher ganz praktisch. Undundund. So weichgedögelt sind wir, dass wir uns jetzt schon Gründe überlegen, warum das Klumpert auch noch gut sein sein soll, und in Wirklichkeit sind wir einfach alt und haben die Nerven nicht mehr. (Soviel dazu, dass man das Richtige tun muss: meistens sagen einem jetzt die Sechsjährigen, was richtig ist, so lange und hochfrequent, dass mans schließlich glaubt.)
Apropos richtig, falsch und ins Hirn einigedingst: Als Folge der Folge der Folge von war es am Sonntag notwendig, wieder einmal mit der Nikotin-Entwöhnung zu beginnen. Ist es nicht schön, wenn die schlimmsten Eiferer, die eiferndsten Bekehrten wieder Gefallen an ihren alten Lastern finden? Was heißt: wieder so voll hineinkippen, dass schon nach wenigen Wochen erneut ein Entzug notwendig wird. Nach mehreren schlaflosen Nächten, in denen mich verzweifelte, echoverzerrte Kinderstimmmen („Davon wird man touhouhout!“) peinigten und ich mir ein Lungenkarzinom in seiner ganzen, grausigen Schönheit imaginierte, besorgte ich mir Nikotinkaugummi, Geschmacksrichtung Freshmint. Die armen Mimis die davon nicht einmal etwas ahnen, weil ihnen Mutter ihren Rückfall in die Sucht aus Moralpredigtvermeidungsgründen („Davon wird man toooooot!!!!“) verheimlichte, werden nun ein paar Tage lang übel angegrantelt werden. Der Lange auch, aber da triffts wenigstens keinen Falschen.
Der Lange raucht heimlich auch schon längst wieder, besitzt aber offenbar ein Suchtkontrollgen, das es ihm erlaubt, zwischendurch jeweils tagelang ohne Zigarette überleben zu können. Dieses Gen fehlt mir, wie ich nach sieben Jahren totaler Nikotinfreiheit, die auf zwanzig Jahre totale Nikotinsucht gefolgt waren, erneut erfahren durfte. Und Sie werden gleich die Folgen davon kennenlernen, wenn Sie mir jetzt also bitte lieber aus dem Weg gingerten, ich bin gerade gar nicht gut drauf.