Doris Knecht
| 02/09
| Kurier-Kolumne
Dieser Tage habe ich gelesen, dass Menschen existieren, die ihre Tochter ernsthaft „Godzilla“ oder „Metallica“ nennen wollten. Was ihnen am Standesamt verwehrt wurde. Nicht glauben kann ich, dass Familie Grube ihre Tochter tatsächlich mit dem Namen Claire zu stigmatisiere beabsichtigte: das ist ja, als würde man Kinder allein zu dem Zweck in die Welt setzen, dass sie in der Schule beizeiten verspottet und fertigemacht werden. Vielleicht wollen ihre Eltern sie auch mittels kummeranziehenden Namen für das kapitalistische Haifischbecken fit machen; man weiß nicht, was in den Köpfen der Leute vor sich geht. Oder ob überhaupt.
Freunde, die in einer englischen Kleinstadt leben, haben im Freundeskreis ihrer Tochter eine Chardonay, so geschrieben, sie haben es mir extra buchstabiert. Daneben stehen in meinen Notizbuch die Namen Benson und Hedges, und ich glaube mich zu erinnern, dass dabei von real existierenden, menschlichen Zwillingen die Rede war, bin mir aber nicht ganz sicher. Aber wundern würde es einen kein Alzerl.
Speziell nicht, wenn man einmal in Formate wie „Deutschland sucht den Superstar“ hineingewundert hat, weil man dabei feststellen kann, dass unter Jugendlichen etwas derartiges wie ein gewöhnlicher Vorname überhaupt nicht mehr existiert. Wahrscheinlich trifft es also gar nicht mehr zu, dass Maresi, Nutella oder Teflon in der Schule gehänselt werden, wahrscheinlich sind es bald die Carolines und Tobiasse, die Sebastians und Julias mit ihren Spießernamen, die von Ahab, Ciera, Campari, Crystal, Dynelle, Evian, Janyia, Misty, Lennox, Lexus und Phaeton im Schulhof zur Sau gemacht werden. Man weiß gar nicht mehr, was richtig ist.