Doris Knecht
| 02/09
| Kurier-Kolumne
„Wir lügen uns doch alle in die Tasche. Alt werden ist beschissen. Beschissener geht es nicht.“ Nicht jeder pflegt so eine explizit verzweifelte Einstellung zum Altern, wie sie der Autor und Schauspieler Franz Xaver Kroetz im Herbst gegenüber einer deutschen Zeitung äußerte.
Aber: Einfach ist es für keinen. Naja, vielleicht für Menschen, die in einer Einschicht allen Medienkonsum verweigern, denn das, was die französische Schauspielerin Jeanne Moreau, gesagt hat, lässt sich natürlich verallgemeinern: „Frauen fürchten nicht das Alter. Sie fürchten nur die Meinung der Männer über alte Frauen“. Fügen wir an: Und Männer fürchten die Meinung anderer Männer und junger Frauen. Alter liegt genauso im Auge des Betrachters wie Schönheit (wer, wenn wir hier schon Zitatenschätze plündern, hat das noch einmal gesagt?), jung und schön bleibt man also, indem man die Betrachter in die Ferne rückt und/oder reduziert, sowie durch schlechtes Licht im Badezimmer.
Das reicht vielen nicht. Kürzlich ist eine 57-jährige Frau an den Folgen einer Schönheitsoperation gestorben. Auch wenn es zum Prozess kommt: an der Grundproblematik ändert ein Gerichtsurteil nichts. Ja: Soll jeder (Erwachsene) mit seinem Körper machen, was er will. Was jemand will, ist allerdings selbstverständich ein Produkt aus Bildern und Beeinflussungen. (Wie freiwillig tragen wir Frauen Highheels? Eben.) Und es gilt zunehmend als stil- und disziplinlos, nicht jung und attraktiv zu sein.
Man könnte natürlich, noch ein Zitat, auf die Schauspielerin Anna Magnani hören, die sagte: „Lasst meine Falten in Ruhe. Ich habe sie mir über die Jahre redlich erworben.“ Aber das war in einer anderen, längst vergangenen Zeit.