11.02.09

Überraschung: Zucker!

Doris Knecht | 02/09 | Kurier-Kolumne

Das soll kommen: Ampelkennzeichnung auf Lebensmitteln. Einfache Sache, nicht schlecht überlegt, man sieht mit einem Blick, wieviel vom Ungesunden jeweils drin ist. Fett rot, Zucker rot = ungesund; so. Das soll kommen, das fordern Konsumentenschützer, z. B. die Plattform „Foodwatch“ schon länger.
Ok, aber: Was wurde eigentlich aus der schönen Tugend Selbstverantwortung? Aus selber lesen und selber denken? Und selber gneißen? Das Jogurt ist süß: Überraschung, da ist ja Zucker drin! Und, da schau her, die Chips enthalten Fett, na sowas. Entschuldigung, aber das weiß man, und wenn man es nicht genau weiß, kann man es mittels kurzer Lektüre der Inhaltsstoffe leicht recherchieren.
Diejenigen, die es dringend wissen sollten, aber nicht wissen wollen, werden auch fette rote, gelbe und grüne Balken aggressiv ignorieren. Und die fiese Lebensmittelindustrie für die zunehmende Verfettung der Bevölkerung verantwortlich zu machen, ist zu einfach.
Oder: sehr amerikanisch, und genau auf solche Verhältnisse steuern wir mit den Balken zu. In den USA ist jedes Konsumgut mit Warnungen vollgedruckt: An Feuer kann man sich verbrennen, an Messern schneiden und Katzen und Kinder darf man nicht in Waschmaschinen und Wäschetrockner stecken. Ist bei Leuten, denen man derlei erklären muss, nicht schon viel früher viel versäumt worden? Und müsste eine Vernunft-Gesellschaft nicht auch beim essen und schlecht essen da ansetzen – viel, viel früher?
Erstens von den Eltern, zweitens in der Schule sollten Kinder lernen:  kochen, Ernährungskunde, viel Bewegung, Eigenverantwortung. Dann kann man sich rote Balken sparen.

 

 

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