Doris Knecht
| 02/09
| Kurier-Kolumne
Die Frage lautet: Warum? Warum nimmt der Papst die Exkommunikation des Holocaust-Leugners Williamson zurück? Und jene des von Johannes Paul II aus der katholischen Kirche verwiesenen Marcel Lefebvre? Warum beleidigt der Papst nicht nur die Juden, sondern jede Katholikin, jeden Katholiken mit einem Funken Anstand im Leib? Warum will er, dass sich immer mehr überlegen, ob es mit ihrem Gewissen vereinbar ist, Angehöriger einer Glaubensgemeinschaft zu sein, in der nicht nur radikal fundamentalistisches Denken, sondern auch die Leugnung der NS-Gräueltaten toleriert und die Leugner geschützt werden?
Vatikan-Sprecher Federico Lombardi erklärte in einem TV-Interview, man wolle die Anhänger Lefebvres wieder in die Kirche integrieren. Indem man damit andere Gläubige vertreibt? Das dürfte sich nicht rechnen. Allein in Linz, der KURIER berichtete, sind in den letzten Tagen über 50 Gläubige als direkte Reaktion auf den neuen, ultrakonservativen Bischof und auf den Williamson-Eklat aus der Kirche ausgetreten: Wieviele Lefebvristen und andere Reaktionäre bekommt die Kirche dafür? Und: Wohin will sie die Kirche mit ihnen führen? Weiter an den Rand der gesellschaftlichen Realität. Und darüber hinaus.
Es gibt in der katholischen Kirche so viele wirklich gute, anständige Menschen, die aus ihrem Glauben heraus und aus Überzeugung großartige, sinnvolle Arbeit tun. Das Problem: Sie haben nichts zu sagen, ihre immer verzweifelter vorgebrachten Wünsche und Sorgen werden von höchster Stelle offensiv ignoriert. Man braucht sich nicht wundern, dass viele zum Mittel des Austritts greifen, als einzige Sprache, die der Vatikan versteht. Falls überhaupt.