3.02.09

Wie man richtig lebt

Doris Knecht | 02/09 | Kurier-Kolumne

Ein kleines Fest am Rande des Literaturbetriebs: Verlagsmenschen, Buchhändler, Autoren, und worüber redet man, man redet über die Krise. Bis jetzt hat sie, dreimal auf Holz geklopft, noch keinen persönlich so richtig erwischt, keiner kann sagen, dass die Krise sein Leben schon spürbar verschlechtert hätte: Entweder, weil man – noch? – in einem relativ sicheren Feld tätig ist, oder weil man dank Herkunft einigermaßen versorgt ist. Oder weil man vorher schon nichts hatte und so oder so auf niedrigem ökonomischen Niveau weiterwurschteln wird.
Aber ein ungutes Gefühl hat jeder. Was bedeutet das für uns Einzelne, wenn die Banken krachen oder nicht krachen? Man spürt eine Wut auf jene, die Krise verursacht haben, indem sie uns über Jahre eingeredet habe, das liefe schon alles richtig, das würde sich schon alles selbst regulieren und alle würden irgendwie davon profitieren: Und jetzt, Pechpech, hat es sich halt nicht reguliert, und leider profitieren alle gar nicht davon; sondern im Gegenteil. Wie wirkt sich das auf das Leben aus, wie wird es sich noch auswirken?
Aber wenn es jetzt halt so ist: Kann man dem vorbeugen, offenen Auges entgegentreten, indem man sein Leben lieber präventiv ändert, vereinfacht, seine Wünsche reduziert und sich allgemein bescheidet? Erstens um die Reserven, die man vielleicht hat, nicht anzugreifen. Zweitens um gerüstet zu sein, falls es doch  schlimmer wird.
Es geht mehr denn je um die Frage: Wie lebt man richtig? Wie lebt man gut? Was braucht man wirklich?  (Zahnputzzeitmesser, Fakefeuer-Kamine, scheunentorgroße TV-Geräte, Espressomaschinen, Infrarotseifenspender,   Elektro-Wimperntuschen, noch ein Auto.) Vielleicht lebt es sich sogar besser ohne? Vielleicht: ja.
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