Doris Knecht
| 02/09
| Kurier-Kolumne
Wenn ich unten bin, ist unten oben“, sagte einmal der deutsche Boxer René Weller, der einige Zeit im Gefängnis verbrachte, weil er irrtümlich einem Polizisten Kokain verkauft hatte. Und es ist gewiss ein Zufall, dass das Waldviertel ganz ähnlich beworben wird: „Wo wir sind, ist oben.“
Am Wochenende bin ich durch den Wald gefahren, der in Götz Spielmanns „Revanche“ immer wieder zu sehen ist: den hervorragenden österreichischen Film, der großteils im Waldviertel spielt und soeben doch keinen Oscar gewonnen hat. Einerseits: schade, denn es ist außerordentlich guter Film, und zwar auch dann, wenn man nicht gerade unmittelbar davor den Falco-Film gesehen hat. Andererseits: Jössas, Glück gehabt, sonst drohte dem Waldviertel vielleicht noch das Schicksal der griechischen Insel Skopelos: Die wird von Touristen überrannt, seit dort der Abba-Slasher „Mamma mia!“ mit Meryl Streep und Pierce Brosnan gedreht wurde.
Allerdings würde das Waldviertel, und das macht seinen Charme aus, die Reisenden vermutlich etwas weniger euphorisch empfangen, schon auch gern, aber trotzdem grummelnd. Es liegt dort das Idyllische immer unmittelbar neben dem Hantigen, Unnahbaren; das Helle, Weite nah am Düsteren, Schroffen.
Vielleicht liegt es daran, dass das Waldviertel trotz seiner Nähe zur Großstadt seine archaische Natur und eine relative Ursprünglichkeit bewahrt hat. Das Waldviertel legt sich nicht, wie das Weinviertel, wie eine willige, trunkene, gut ausgeleuchtete Geliebte vor den Betrachter: Es ziert sich wie störrische, unnahbare, introvertierte Schöne.
Wo das Waldviertel ist, ist eben oben. Und wer es erfahren will, muss sich schon hinaufmühen.