Doris Knecht
| 03/09
| Kurier-Kolumne
Jetzt aber. Jetzt ist auch Österreich endlich offizielles Slow-Food-Land: Elf heimische Produkte wurden in die offizielle Slow-Food-Liste der „Arche des Geschmacks“ aufgenommen. Und das bedeutet viel mehr, als dass diese Produkte nur gut oder einzigartig schmecken: Es ist ein Qualitätssiegel. Und ein Bekenntnis. Weil es für den Geschmack eines Produkts eine Rolle spielt, wo es unter welchen Umständen mit welchen Zutaten und Mitteln hergestellt wurde.
Geschmack, der echte Geschmack echter Nahrung, ist eben etwas anderes als das Ergebnis geschickt komponierter Aromastoffe, Geschmacksverstärker und Konservierungsmittel. Und was wir essen, entscheidet auch darüber, wie unsere Landschaften aussehen, wie es unseren Bauern geht, unter welchen Bedingungen die Landarbeiter leben, wie unsere Nutztiere gehalten werden, ob unsere Böden und Gewässer sauber oder vergiftet sind, wofür Wälder abgeholzt werden.
Wer im Winter Industrie-Erdbeeren aus Spanien kauft, kauft damit zerstörte, mit Folien verschandelte Landschaften, verseuchte Böden und Gewässer, ausgebeutete Arbeiter. Wenn wir das nicht wollen, brauchen wir nicht auf der Straße demonstrieren oder Petitionen unterschreiben: Wir bestimmen es täglich mit unserem Einkauf. Ja, man kann nicht immer nur gut kaufen: aber öfter.
Einen richtigen Bregenzerwälder Bergkäse, eines der elf heimischen Slow-Food-Produkte, kann man nicht industriell in Fabriken herstellen. Er braucht gesunde Kühe, die gemächlich auf intakten Almen und Wiesen grasen, naturverbundene Bauern, Alm- und Dorf-Senner, er braucht Zeit und die richtige Lagerung. Deshalb schmeckt nicht nur der Käse so gut: Deshalb ist auch der Bregenzerwald so schön.