Doris Knecht
| 03/09
| Kurier-Kolumne
Weil vor einiger Zeit dieser Bim-Fahrer für Aufregung gesorgt hat, Sie erinnern sich, der, der mit Sieg-Heil grüßte und dann entlassen wurde: Lena M., 23, fuhr kürzlich in der Früh mit dem 5er, als vor ihr ein Herr mit sehr kurzen Haaren Platz nahm. Im Nacken hatte der Herr, Lena M. nahm es sehr unangenehm berührt zur Kenntnis, ein Hakenkreuz tätowiert.
Dass es sich dabei nicht um eine dumme, aber halt unrevidierbare Jugendtorheit handelte, wurde Lena M. klar, als eine offenbar türkische Frau, die ein Baby im Arm trug, in die Straßenbahn einstieg: Als die Frau den Gang entlang ging, stellte ihr der Mann ein Bein.
Ein geistesgegenwärtiger Fahrgast fing die Frau auf, bevor sie der Länge nach auf ihr Kind fallen konnte. Andere Fahrgäste grummelten empört. Lena M. brüllte dem Kerl spontan ein erbostes „Tschuldigung?!?“ an den Hinterkopf, nicht ohne sich in der Sekunde zu fragen, was das für Folgen nach sich ziehen könnte und ob die anderen Fahrgäste darauf auch mit Gegrummel reagieren würden.
Aber bevor irgendetwas anderes geschehen konnte, geschah folgendes: Die Straßenbahn blieb ohne Vorwarnung stehen, der Bim-Fahrer, offenbar von anderen Fahrgästen alarmiert, kam nach hinten marschiert. Der Fahrer habe, erzählt Lena M., einen netten Vokuhila getragen und auch sonst irgendwie nicht wie der klassische Gutmensch (oder wie der halt gern karikiert wird) ausgesehen, aber was tat er? Er packte den Kerl mit dem Hakenkreuz und schmiss ihn ansatzlos und ohne Diskussion aus dem Wagen.
Daraus lernen wir: Es gibt nicht nur solche Bim-Fahrer: Es gibt auch solche; Gott sei Dank.