Doris Knecht
| 03/09
| Kurier-Kolumne
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Es kann aber auch in der Krise das exakte Gegenteil von Krise passieren: Dass Menschen unbedingt Geld ausgeben und die Wirtschaft unterstützen wollen, und man lässt sie nicht. Dieses Phänomen kann man an jedem Wochentag in der Wiener Mariahilfer Straße beobachten, zwei Mal täglich: Ab 9:15 Uhr und um 9.45 Uhr wachsen dort Menschentrauben aus den Gehsteigen vor Läden, die erst um halb zehn oder um zehn aufmachen.
Zehn Uhr Vormittags, Damen und Herren. Ich will jetzt nicht revanchistisch sein und fordern, dass alle Menschen so früh aufstehen müssen wie wir Eltern von Schulkindern, aber. Wir Eltern wären nicht undankbar, wenn wir zwischen dem Schulbeginn der Kinder und dem eigenen Arbeitsstart vielleicht noch etwas anderes einkaufen könnten als Brot oder Lebensmittel.
Bücher vielleicht, Haushaltszeug oder Gewand. Sachen, bei denen man gern in Ruhe herumstöbert, schaut und anprobiert, bevor man kauft: Tätigkeitigen, die mit den Interessen von Kindern gewaltig disharmonieren. Zwischen acht und zehn Uhr morgens wäre also die ideale Zeit, um diesbezüglich Kolateralschäden zu vermeiden.
Aber: nix. Diese Läden öffnen jetzt noch nicht. Diese Läden haben dafür bis in die Nacht hinein offen, was viele gern nutzen und ich nie. Ich stehe lieber in der Früh vor versperrten Türen. Aber ich bin dabei nie allein.