Doris Knecht
| 03/09
| Kurier-Kolumne
Andererseits, um noch einmal auf die letzte Entmündigungskritik-Kolumne zum geplanten Ess-Verbot in Öffis zurückzukommen, anderseits: Das Verbot, die Wiener Gehsteige und Parks von Hunden volltrümmerln zu lassen, hat gewirkt. Das sieht doch viel jetzt besser aus. Nicht, dass man nie mehr ins Gackerl stiege, aber seltener. Und hier war nun tatsächlich alles Appellieren an Vernunft und Verantwortungsbewusstsein der Hundebesitzer für den Hugo gewesen, und erst das Strafe-Drohen und konkrete Abstrafen hat genützt.
Auch so gesehen muss ich den Leserinnen und Lesern Recht geben, die seit Samstag kritisierten, ich führe wohl nie mit der U-Bahn und hätte keine Ahnung von den bestialischen Gerüchen, die dort überhand nähmen: Erstens stimmt, zweitens stimmt, ich fahre meistens mit dem Rad und wenn ich einmal die öffentlichen Verkehrsmittel nutze, haben meine Mitpassagiere offenbar jeweils gerade keinen Hunger. Ohne Ess-Verbote, so die Leserschaft, verbessere sich nicht nur nichts, sondern werde zuverlässig immer schlimmer: Ich solle meinen Standpunkt bitte überdenken.
Gut, tue ich. Und hier würde jetzt perfekt meine alte Leier herpassen, dass diese Problem verpuffte, wenn die Menschen einfach wieder vernünftig essen lernten. Allerdings, a), gefährdete dieses Lamento mein lebensnotwendiges, sporadisches Mobil-Leberkässemmerl (aber Open Air!), b) ist mir klar, dass sich auf diesem Weg das U-Bahn-Gestanksproblem nicht vor in hundert Jahren lösen würde. Bzw.: nie.
Trotzdem: Werden wir langfristig auch im banalsten, simpelsten Alltag Vernunft und Selbergneißen durch Gebote ersetzen? Und wer bindet mir dann mein Schuhband?