24.03.09

Für den Hugo

Doris Knecht | 03/09 | Kurier-Kolumne

Andererseits, um noch einmal auf die letzte Entmündigungskritik-Kolumne  zum geplanten Ess-Verbot in Öffis zurückzukommen, anderseits: Das Verbot, die Wiener  Gehsteige und Parks von Hunden volltrümmerln zu lassen, hat gewirkt. Das sieht doch viel jetzt besser aus. Nicht, dass man nie mehr ins Gackerl stiege, aber seltener.  Und hier war nun  tatsächlich alles Appellieren an Vernunft und  Verantwortungsbewusstsein der Hundebesitzer für den Hugo gewesen,  und  erst  das Strafe-Drohen und konkrete Abstrafen hat genützt.
Auch so gesehen muss ich den Leserinnen und Lesern Recht geben, die seit Samstag kritisierten, ich führe wohl nie mit der U-Bahn und hätte keine Ahnung von den bestialischen Gerüchen, die dort überhand nähmen: Erstens stimmt, zweitens stimmt, ich fahre meistens mit dem Rad und wenn ich einmal die öffentlichen Verkehrsmittel nutze, haben meine Mitpassagiere offenbar jeweils gerade keinen Hunger. Ohne Ess-Verbote, so die Leserschaft, verbessere sich nicht nur nichts, sondern werde zuverlässig immer schlimmer: Ich solle meinen Standpunkt bitte überdenken.
Gut, tue ich. Und  hier würde jetzt perfekt meine alte Leier herpassen, dass diese Problem verpuffte, wenn  die Menschen einfach wieder vernünftig essen lernten. Allerdings, a), gefährdete dieses Lamento mein lebensnotwendiges, sporadisches Mobil-Leberkässemmerl (aber Open Air!), b)   ist mir klar, dass sich auf diesem Weg das U-Bahn-Gestanksproblem nicht vor in hundert Jahren lösen würde. Bzw.: nie.
Trotzdem: Werden wir langfristig  auch im banalsten, simpelsten  Alltag Vernunft und Selbergneißen durch Gebote ersetzen?  Und wer bindet mir dann mein Schuhband?


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