Doris Knecht
| 03/09
| Kurier-Kolumne
Gewöhnen wir uns daran: Wir werden uns jetzt viel anstellen. Wir werden in Schlangen vor Schaltern, Supermarktkassen, in Arztpraxen stehen. Wir werden lange und chronisch warten.
Die Menschenschlange ist das Symbol der Krise: Alle Bilder von Armut, Mangelwirtschaft und schlechten Zeiten zeigen Menschen, die sich vor Läden, Ämtern, Krankenhäusern aufreihen. Wir werden jetzt auch viel stehen; wenn wir Glück haben, nicht vor einer Tür im Arbeitsamt. Aber die Dienstleistungsverknappung, das Sparen am Kundendienst werden wir alle spüren. Wozu zwei Mitarbeiter an zwei Schaltern beschäftigen, wenn es auch mit einem geht? Wozu ein Postamt erhalten, wenn das auch der Supermarkt nebenan erledigen kann.
Gerade die Post hat ja schon in guten Zeiten vorgezeigt, wie man Schlangen erstens erzeugt und zweitens den daraus dampfenden Unmut mit eiserner Disziplin ignoriert: Diese Kunst wird nun noch perfektioniertwerden.
Ziehen wir also bequeme Schuhe an, packen wir stets eine Zeitung ein, ein Buch oder den ipod. Plaudern wir mit den Leuten vor und hinter uns (z. B. über den Begriff Vokuhila, mit dem ich, Entschuldigung, gestern viele ältere Menschen überforderte: er kürzt die Frisur VOrneKUrzHIntenLAng ab, einst als Schlurf bekannt).
Es hat eh keinen Sinn, sich über die Schlange aufzuregen. Stellen wir uns an; und machen wir so gut es steht das Beste daraus.