Doris Knecht
| 03/09
| Falter-Kolumne
| Schuld und Sühne
| Stadt/Land
Am Freitag in der Früh habe ich mich über ein deppertes Mail so geärgert, dass ich drei stinkwütende Mails retournierte, worauf ich naturgemäß von etwa neun Hassmails betoniert wurde. Das passiert, wenn man sich schon um sechs Uhr früh zwischen gerechtem Zorn und buddhistischer Gelassenheit entscheiden muss. Um sieben, nach dem Kaffee, weiß man dann eh, dass man zuerst den Kaffee trinken, die buddhistische Gelassenheit wecken und dann auf das Mail nicht antworten sollte, aber tralala, zu spät. Natürlich vergiftet einem der frühe Zorn den ganzen Tag: Er macht, dass im Semmerl der falsche Leberkäs ist. Er macht, dass die Kinder im Auto aggressiv sind, weil eh, wie man in die Rückbank hineinruft, so schallt es heraus. Und er macht, dass im Waldviertel das Wasser nicht geht, und nicht nur nicht geht: es zerstört sich, während das Anstellen des Wassers misslingt, der Handpumpbrunnen vor dem Haus, und ohne den fließt im Haus kein Wasser. Haben Sie schon einmal einen Handpumpbrunnen repariert? Ich auch nicht. Es ist Freitagnachmittag, die Installateure sitzen schon in ihren warmen Whirlpools. Man wird auch dieses Wochenende, an dem man acht Leute zum Schweinsbraten-Essen und einige davon zum Übernachten eingeladen hat, kein Wasser haben. Darauf kann man auf verschiedene Arten reagieren; manche hocken sich neben den hinichen Brunnen und blatzen.
Ganz früh am nächsten Morgen kommt der Horwath mit dem großen Schraubenschlüssel. Wir schrauben den Brunnen auf, und schau an, das Leder innen ist hinüber, wir binden ein Schnürl herum, aber nix. Der Lange fährt mit dem Brunnenteil und genauen Horwath-Anweisungen zu einem Installateursladen, der zwanzig Kilometer entfernt offen hat. Der Horwath hat eine Idee und holt seine Tauchpumpe, hängt sie in den Brunnen, und hurra, das Wasser im Haus sprudelt los. Aus dem Wasserhahn und aus insgesamt sieben Frostlecks in den Rohren: vier im Badezimmer, eines im Gästezimmer, zwei im Wohnzimmer. Immerhin war das Karma damit soweit besänftigt, dass wir einen Notinstallateur erreichten, der den ganzen Samstag Nachmittag lang Rohre lötete, während wir den Indoor-See trockenlegten.
Das alles hängt, davon ich bin überzeugt, mit dem Freitagmorgenmail zusammen, und zwar nicht mit dem, das ich bekam, sondern mit dem, das ich dann zurückschrieb. Die Karmapolizei hätte gleich einschreiten müssen. Weil eh: Man muss zu allen freundlich sein, auch zu den Depperten, denn wenn man freundlich ist, kommt Freundlichkeit zurück. Selbstverständlich erfordern manche Deppertheiten energisches Gegendeppertsein; aber das war, wenn man es sich genau anschaut, eigentlich keine solche Situation. Es war eine Situation, wo man gelassen sagt, geht mir da rein, geht mir da raus und baba. Leider war der Zorn schneller wach.
Also habe ich am Montag früh ein abschließendes freundliches Mail an den geschickt, der mir das depperte geschickt hat. Und was ist passiert? Zwei Minuten später klingelt es an der Tür und die Post bringt ein Paket und es enthält ein Paar fantastische Sandalen. Und sie passen perfekt. Und das Wasser hält jetzt auch dicht.