Doris Knecht
| 03/09
| Kurier-Kolumne
Die Geschichte, die mir Leserin Anja J. gestern erzählte, schlägt punktgenau ein Hakerl in die Oma-Grete-Laska-Geschichte (nachzulesen auf kurier.at): Denn Frau J. hat eine Tochter, die acht Monate alt ist – also genauso alt wie das Enkerl, um das sich Grete L. künftig in Niederösterreich kümmern will. Und auch Frau J. muss bald wieder arbeiten; leider steht bei ihr keine Oma hab acht.
Die braucht sie aber eben auch nicht, denn sie hat ja das Glück, in Wien zu leben: wo es, anders als in NÖ, 4.829 städtische Krippenplätze für Kinder von null bis drei Jahren gibt, wie wien.gv.at informiert. Im März 2010 endet Anja J.s Karenz ; deswegen meldete sie sich im vergangenen Jänner bei der MA 10 Platz für einen Kinderkrippenplatz an.
Dort habe man, berichtet Frau J., ihre Zuversicht gleich auf ein Minimum zurecht gehackt. Sie brauche sich keine großen Hoffnungen zu machen, mitten im Jahr einen Krippenplatz zu bekommen: Das Kindergartenjahr beginne bekanntlich im September und nicht mitten im Jahr, aber wenn sie Glück habe, falle ja vielleicht mitten im Jahr ein Kind aus. Man händigte Anja J. eine Liste mit privaten Kindergärten aus, mit dem Tipp, es entweder dort zu versuchen, oder noch einmal Ende Dezember vorstellig zu werden, um zu sehen, ob unerwartet etwas frei geworden sei: also zwei Monate vor Arbeitsbeginn.
Nun hat sich auch die Tochter der Ex-Bildungsstadträtin den Geburtstermin ihres Kindes nicht so eingeteilt, dass die Karenz exakt zum Beginn eines Kindergartenjahres endet: In Wien sollte man das unbedingt tun. Es sei denn, man will das Kind ein paar Monate früher in die Krippe bringen. Oder man kann sich den Aufschlag auf einen privaten Kindergarten leisten. Oder man hat eine liebe Oma.