17.03.09

Lernen für das Leben

Doris Knecht | 03/09 | Kurier-Kolumne

Glück: Kann man das lernen? Kann man offenbar. Eine Lehrerin in Baden hat – der KURIER berichtete – in Eigeninitiative ein Schulprojekt organisiert. Nach deutschem Vorbild, wo das Unterrichtsfach Glück immer populärer wird: Kindern und Jugendlichen sollen lernen, Glück und Zufriedenheit aus sich selber und  eigenen Fähigkeiten zu schöpfen. Tolle Idee.
Das animiert zum Hirnen über weitere sozial relevante Unterrichtsfächer, gerade im Kontext mit den aktuellen Auswüchsen einer kranken Gesellschaft. Natürlich ist eine solide humanistische Bildung wichtig, aber sie deckt zentrale Bereiche der Realität einfach nicht ab. Sie verschafft keine Werkzeuge zur Lösung alltäglicher Probleme, denen sich Kinder, Jugendliche und Erwachsene nun einmal zu stellen haben.
War es nicht zu allen Zeiten eine primäre Aufgabe der Schule, Heranwachsenden jenes Wissen zu vermitteln, das   Eltern überfordert oder ihnen nicht zur Verfügung steht?  Und wenn sich so deutlich zeigt, dass dazu jetzt neben Mathematik, Physik und Fremdsprachen eben auch Glück oder richtige Ernährung oder Leben mit der Natur oder der Umgang mit Gefahren aller Art gehört, sollte sich die Institution Schule darauf einstellen.
Wieso wird nicht endlich mit einem verpflichtendem Koch- und Ernährungsunterricht auf die grassierende Fehlernährung ganzer Schichten reagiert? Wieso hat nicht jede Schule einen Fußballverein, einen Tanzclub oder dergleichen, wo Bewegung, ein gutes Körpergefühl keine Quälerei sind, sondern ein Nebeneffekt von Spaß  ? Wieso lernen Kinder nicht, wie man  ohne Gewalt auf Bedrohungen, Angst und Frust reagiert?
Chemie und Geometrie sind wichtig. Aber solche Fähigkeiten: lebenswichtig.




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