Doris Knecht
| 03/09
| Kurier-Kolumne
Wenn Frauentag ist, fordere ich normal die sukzessive Abschaffung des Frauentags durch Lösung aller Frauen-Probleme usw. Heuer schreibe ich lieber über Larissa, 16, aus Kärnten, die gerade den deutschen TV-Model-Contest aufmischt. Und diese Larissa ist nicht nur Österreichs Top-, sondern auch ein ideales Rolemodel, weil sie beweist, dass Erfolg weder von guter Ausbildung noch von Tüchtigkeit abhängt. Es kommt auch nicht darauf, ob das, was aus Frauen- Mund kommt, einen Sinn macht, solange der Mund schön und voll ist. (Auch hilfreich: schöne Beine, schöne Haare, schöne Zähne.)
Wir sehen: Die ganze Lernerei und Studiererei bringt eh nichts, wie uns die hohen Frauenanteile in den Hörsälen, und die minimalen in den Führungsebenen von Wissenschaft und Wirtschaft beweisen. Nur unter Models verdienen Frauen mehr als Männer, überall anders immer weniger und noch weniger.
Es ist, machen wir uns nichts mehr vor, für eine weibliche Biografie nach wie vor das Vernünftigste, jung sehr schön zu sein und damit entweder schnelles Geld zu machen oder einen lukrativen Mann zu fangen (und unbedingt, der profitablen Scheidung wegen, zu heiraten), vor allem, wenn man Kinder will. Wie viele zufriedene, bekinderte Aufsichtsrätinnen kennen Sie? Wie viele Uni-Rektorinnen? Wie viele tüchtige Frauen, die so viel verdienen wie ihre Männer? Wie viele Männer, die sich so um ihre Kinder kümmern wie ihre Frauen?
Die Frauen haben studiert, gelernt, geschuftet, das Weibchenschema abgelegt, Ehrgeiz gezeigt, Diplomatie bewiesen; genützt hat’s wenig. Auf die Evolution brauchen wir nicht hoffen; auf die Politik schon gar nicht. Larissa aber wird es einmal besser haben. Soviel zum morgigen Frauentag.