6.03.09

Martin schläft seinen Rausch aus.

Doris Knecht | 03/09 | Kurier-Kolumne

Am Anfang ein guter Rat: Tun Sie im Facebook nichts, was Sie nicht auch in der U-Bahn tun würden. Ziehen Sie sich nicht aus, parlieren Sie nicht nicht über Ihre sexuellen Vorlieben, zeigen Sie keine Fotos Ihrer nackten Kinder und keine Videos von sich selbst in prekären Situationen, schimpfen Sie nicht über Vorgesetzte.
Dass das gerade stark diskutierte soziale Internet-Netzwerk Facebook eine virtueller Zubau ans eigene Wohnzimmer sei, ist ein verbreiteter Irrglaube unter blauäugigen Nutzern. Man hat auf Facebook ja „Freunde“, verschickt und bekommt „Freundschaftsanfragen“: Das verleitet dazu, Dinge  und Daten von sich preiszugeben, an denen man im echten Leben tatsächlich nur einen eng begrenzten Freundeskreis teilhaben ließe. 
Großer Fehler. Freundschaft bedeutet Vertrauen, Intimität und Sicherheit. Facebook nicht, und die sog. „Freunde“ wären mit dem prosaischen  Begriff „Kontakt“ wahrhaftiger beschrieben. Facebook ist eine Art virtuelles Beisl, in dem sich Gruppen von Menschen über Sachen unterhalten und mitunter streiten, die sie gerade beschäftigen. Man weiß, mit wem man es zu tun hat und von wem man beschimpft wird: Im Unterschied zu den anonymen Postings; weshalb das Beschimpfen auf Facebook auch nicht so populär ist.
Die netteste (aber auch gefährlichste)  Facebook-Spezialität ist ein „Was-machst-du-gerade?“-Feld, in dem  jede/r jederzeit mit 160 Buchstaben mitteilen kann, was er oder sie eben tut. Das kann etwas Langweiliges sein oder etwas Lustiges: „Maria kann nicht gut Kuchen backen.“ „Urs befiehlt der Sonne zu scheinen.“
Aber besser nichts, was  der Chef oder die Mutter nicht wissen sollten: Privat und unter sich ist man auf Facebook nämlich nie.
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