Doris Knecht
| 03/09
| Kurier-Kolumne
Heute also das Urteil im Fritzl-Prozess. Viele Medienvertreter harrten aus, einige sind schon verbittert abgereist, offenbar, weil sie nicht die erhofften Bilder, O-Töne und Athmo-Splitter geliefert bekamen. Was haben diese Medien von einem Prozess, der aus vielerlei vernünftigen Gründen unter teilweisem Ausschluss der Öffentlichkeit stattfand, erwartet? Dass die Opfer überraschend doch noch auf einem roten Teppich aufmarschieren? Sich verdichtende Hinweise auf einen überraschenden Freispruch? Oder dass Fritzl vor den Kameras weinend in die Knie sinkt? Eine ausländische Reporterin soll sich, einem Medienbericht zufolge, darüber beschwert haben, dass der Angeklagte stattdessen sein Gesicht hinter einem Ordner versteckt hatte, das gehe nicht, soll die Reporterin gesagt haben, der Mann müsse sich dem stellen, was er getan habe.
Das stimmt. Das musste er auch. Aber eben dem Gericht, nicht einer Journalisten-Jury, und es ist ein weitverbreiteter Irrtum unter gewissen Medien, dass Fritzl sich vor der Öffentlichkeit verantworten müsse. Er muss sich vor dem Gericht verantworten, vor seinen Opfern, vor sich selbst. Vor 9live oder Rai Uno oder der Sun nicht, selbst wenn er noch so monströs ist.
Ein britischer Journalist kritisierte allerdings zu Recht, die Informationssperre lasse die Rolle von Sozialarbeitern, Polizei und Beamtenschaft im Dunkeln. Ich will hinzufügen: und die der Mutter. Die Frage, wie man es nicht merkt, dass man 24 Jahre lang direkt auf der Tochter lebt, ist, meine Meinung, nicht zufriedenstellend beantwortet. Und ob es etwas wie eine Pflicht gibt, dergleichen zu bemerken. Aber ich frage nur. Ein Urteil darüber kann nur ein Gericht fällen.
Auch wenn das alles jetzt gerade schon einmal sieben oder acht Wochen her ist, aber: was die Rolle der Mutter betrifft, sprechen Sie mir aus der Seele, und im Hinblick auf die Medien sowieso...