Doris Knecht
| 03/09
| Kurier-Kolumne
Da schließt sich ein Kreis. Vor ein paar Wochen hat die Wiener Vizebürgermeisterin Grete Laska den Gratiskindergarten ab Herbst präsentiert, jetzt ist sie zurückgetreten, mit der Begründung, sie habe ein Kind zu hüten. Und zwar das acht Monate alte Kind ihrer Tochter, einer Lehrerin, die im Juni, also einen Monat vor den Sommerferien, in Niederösterreich wieder zu arbeiten beginnt. „Und Sie kennen ja die dortige Betreuungssituation“, sagte Laska, machte also indirekt den niederösterreichischen Landeshauptmann Erwin Pröll für ihren Rücktritt verantwortlich.
Das ist erstens ein wengerl perfide, denn Tagesmütter gibt es auch in Niederösterreich, zweitens desavouiert Laska damit ihre eigene Arbeit, drittens verspottet sie ein bissl die Frauenpolitik. Denn nach 25 Jahren Berufspolitik besinnt sich Laska jetzt auf ihre weiblichen Kernkompetenzen und tut, was man von Frauen offenbar auch im 21. Jahrhundert noch immer erwarten darf: Dass sie sich im Ruhestand unbezahlt um ihre Enkerl kümmern.
Kinderbetreuung ist also, anders als die Politikerin Laska durch Schaffung von Betreuungsplätzen postulierte, doch keine Arbeit, sondern ein lustiges Hobby, für das die Pensionistin Laska im Ruhestand jetzt endlich genug Zeit hat.
Ein schönes Signal zur Krisenzeit: Denn wenn es mehr willige Omas wie Oma Grete gäbe, bräuchten wir weniger Kinderbetreuungsplätze und würden uns eine Menge öffentliches Geld sparen. Wenn’s hart auf hart kommt muss nun einmal ein jeder seinen Beitrag leisten; fangen wir doch ausnahmsweise einmal bei den Frauen an. Die Pensionistinnen haben (jetzt außer vielleicht, sie betreuen alte und behinderte Angehörige) lange genug gefaulenzt: Auf gehts, Omas, packtsas an, Oma Grete geht voran.