Doris Knecht
| 03/09
| Falter-Kolumne
| Kunst & Kultur
| Prost Mahlzeit
| Schuld und Sühne
Die kulturellen Höhepunkte der letzten Woche: Hermes, Kreisky und Thomas Maurer, und danke, es reicht jetzt wieder für ein Zeitl. Nicht inhaltlich, inhaltlich war da, dort und drüben alles im grünen, ja teils im frühlingsgrellen Bereich, aber die Rahmenbedingungen. Die Rahmenbedingungen überlappen meine Kampfkraft massiv. Immerhin kann ich von Maurers kollossalem „Aodili“-Abend (das schauen Sie sich bitte umgehend an, sobald es ihnen gelingt, Karten zu kriegen, ist nämlich zu Recht auf längere Sicht hin ausverkauft) folgendes sagen: ich stand aufrecht bis zum letzten Glas. Was ich vom Kreisky-Abend nicht behaupten kann. Vor den Zugaben, um halb drei Uhr in der Früh, wartete ich im Flex-Klo darauf, dass sich endlich eine Tür öffnen möge und wunderte mich, wie man von ein paar Sommerspritzern mit einem Mal so blunznfett sein kann. Das nächste, was ich sah, waren drei Neunzehnjährige, die besorgt auf die merkwürdige alte Frau herniederblickten: Alles in Ordnung? Ja, danke. Ich kann jetzt wieder aufstehen. Ich kann nur einen Kreislaufkollaps nicht mehr von einem Fetzen unterscheiden.
Früher konnte ich das. Früher wurde man hin und wieder, wenn es die Situation erforderte, aus dem Chelsea hinausgetragen und lernte schließlich, wie sich das anfühlt, wenn man jetzt dann gleich ohnmächtig umfällt, und was man dann tun sollte. Und was? Der Organismus hat es, das kommt von dem ständigen Regelmäßigessen und Zeitiginsbett, vergessen, nach nur zehn Jahren. Soviel zum Thema Körpergedächtnis. Aber ich habe eh nicht vor, derlei in näherer Zukunft zu wiederholen. Haben wir nämlich etwas daraus gelernt? Ja, haben wir. Zum Beispiel, dass ein Leberkässemmerl zu Mittag keine ausreichende Unterlage für einen multistatiönigen Gemma-Abend ist. (Nicht, dass wir das nicht auch schon einmal gewusst hätten.) Zum Beispiel, dass Rauchen auch schlecht für die Kreislaufstabilität ist. Zum Beispiel, dass man, wenn einem schlecht ist, direkt an die Frischluft soll, ohne Umweg aufs Klo.
Danach wollte mich der Zwei-Meter-Security-Riegel nicht mehr ins Flex lassen, obwohl ich einen Stempel auf meinem Unterarm vorweisen konnte. Das sei nicht der Stempel. Ich bellte ihn an, dass, Entschuldigung, dieser Stempel vom Chef persönlich appliziert worden sei, also dürfte ich BITTE!? Ich durfte. Viel später, als ich im Backstageraum eine Banane aß – immer gibt’s Obst in Backstageräumen und noch nie habe ich einen Musiker Obst essen sehen – erblickte ich auf meinem anderen Arm noch einen Stempel. Der wärs gewesen; Entschuldigung, Herr Security: Meine Schuld, meine Schuld, meine große Schuld.
Das gleichnamige Kreisky-Album kaufen Sie sich übrigens bitte jetzt gleich. Und das alte dazu. Und Sie schauen sich ein Konzert von den Burschen an. Und den Austrofred im Rabenhof. Und kaufen die Bücher vom Austrofred. Und das Buch vom Franz Adrian Wenzl. Der Wenzl Franz ist definitiv State of the Pop-Art. Der Wenzl Franz hat das Talent, die Eier und den Stil. So muss das klingen, so muss das auschauen, so will man zum Lachen gebracht werden, so muss das im Bauch wirken und so im Kopf. So muss man das machen, genau so.