21.04.09

Ein Meter plus Tempo in Zentimeter

Doris Knecht | 04/09 | Kurier-Kolumne

Hinten auf meinem Rad ist der Korb jetzt so groß, dass ich einen zehn-Kilo-Sack Erdäpfel, die anderen Einkäufe und zwei Schultaschen gleichzeitig transportieren kann. Und so breit, dass die Autofahrer beim Überholen freiwillig fast so viel Abstand halten, wie sie eigentlich müssten (ein Meter plus die Geschwindigkeit in Zentimeter laut StvO, nur falls es wer vergessen hat).
Allerdings – und ich nehme jetzt einmal den Standpunkt einer Verkehrsteilnehmerin ein, die, wenn möglich, das Rad statt die Öffis statt des Autos benützt – allerdings nämlich: Vielen Autofahrern ist gar nicht klar, dass sie einen Verkehrsteilnehmer überholen. Sie tun durch engagiertes Hupen ihre Überzeugung kund, sie passierten ein lästiges Verkehrshindernis, das auf ihrer Straße nichts verloren hat. Ist übrigens verboten. Und ja!, ja!, ja! es gibt auch extrem dumme und wahnsinnig rücksichtslose Radfahrer, Wegabschneider, Gehsteigfahrer, nächtliche Lichtlosfahrer, denn das solche-und-solche-Prinzip gilt naturgemäß uneingeschränkt für jede Spezies auf diesem Planeten (Banker, Lehrergewerkschafter, Journalistinnen, Bimfahrer, Schwule, Priester, Marathonläufer, Autofahrerinnen, undsoweiter).
Aber es scheint mir, die Auto-Lenker gewöhnen sich (bis auf die üblichen Unbelehrbaren) zusehends  daran, die Straße zu teilen. Erstens wegen der  zunehmenden Menge der Radfahrer. Zweitens entdecken immer mehr Autofahrer und Autofahrerinnen die Freuden des Pedalens: der Fitnessfaktor, der Wind um die Nase, die Schnelligkeit, die Parkplatzsuchlosigkeit und dass man viel bequemer Stöckelschuhe tragen kann, weil man viel weniger gehen muss. Und tragen: Der Korb muss halt groß genug sein.
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