Doris Knecht
| 04/09
| Kurier-Kolumne
Die Post macht es so: Sie schließt Postämter in B-Lagen und eröffnet Briefmarkenläden in A-Lagen, unlängst erst ein neues in der Wiener Josefstädterstraße. „Philatelie-Shops“ heißen die, was ein wenig ungeschickt ist, weil sich die Bezeichnung „Post-Philialen“ natürlich unglaublich aufgedrängt hätte.
Das hätte nämlich Infrastruktur-Ministerin Doris Bures die Möglichkeit verschafft, in Radio-Interviews völlig wahrheitsgemäß zu verkünden, dass bitte keineswegs nur Postämter geschlossen würden, nein, es werden sogar neue Post-Philialen eröffnet. Aber bei der gespannten Budget-Situation heutzutage müssen die Ministerien ja bei allem sparen, auch bei den Ideen.
Diese Chance ist also vertan. Die Kirche dagegen will jene, die sie selbst in der Filialen-Schließung erkennt, nicht ungenutzt verstreichen lassen. Das ist gescheit. Denn wer kommt besser an die Leute heran, als die Mitarbeiter der Post? Beziehungweise zu wem wollen die Leute dringender zubi, als an den Post-Mitarbeiter hinterm Schalter? Offenbar hat die Kirche beim Lokalaugenschein in einer Post-Filiale erkannt: Da schau her, dafür stellen sich die Menschen sogar in langen Schlangen geduldig an! Das wollen wir auch, diese Gelegenheit müssen wir nutzen: die Kirche muss Post-Partner werden!
Der Kollege Schwarzer hat die möglichen Synergieeffekte gestern schon aufgezeigt, und auch ich glaube fest an den Erfolg der Kirch-Ämter. Eine Kirche, die nicht mehr nur Seelenheil verspricht, sondern auch Packerl, verzahnt mit einer Post, die nicht mehr nur Dienstleistung anbietet, sondern auch spirituellen Beistand: Die alttestamentarische Endlosigkeit der Schlangen vor den Kirchen will man sich gar nicht vorstellen.