Doris Knecht
| 04/09
| Kurier-Kolumne
So. Nachdem der größere Teil der heimischen Waldboden-Flora zertrampelt wurde, damit der andere, bärlauchige Teil vollumfänglich ausgerissen und aufgegessen bzw. in Pesti verarbeitet werden konnte, widmet sich das Volk jetzt dem Spargel. Die Vertreter der energischen Bärlauch-Verachtung (EBV) lehnen sich verschränkten Arms und feisten Grinsens zurück: Es ist ummi, ein Jahr eine Ruh, für Bärlauch interessiert sich keine Sau mehr, denn die Saison der blassen und grünen Underground-Stengel hat jetzt begonnen,
Das weiß man einerseits aus den Gesellschaftsformaten, die einem bereits die immerselben Grinsgesichter in neuen Kleidern zeigten, wie sie im immerselben SchnickschnackGasthaus auch heuer ihre Gratis-Solo-Prügel verspeisten. Andererseits vom Markt und Supermarkt, wo man wochenlang die Import-Ware nicht einmal ignoriert hat und jetzt endlich zwischen hiesigen Sorten wählen darf. Ja.
Denn Spargel hat bekanntlich nichts wie Vorteile. Unter anderem kommt er den Ergebnissen einer nagelneuen Studie entgegen, die erforscht hat, dass die Menschen – schon wieder schlechte Nachrichten für das Kaloriat – nicht nur der Gesundheit wegen dünner sein sollten: sondern auch aus Klimaschutzgründen, weil Dünne die Umwelt deutlich weniger belasten.
Vor allem aber schmeckt der Spargel; allerdings muss eilends zur hierorts bereits angedeuteten ESHV (energische Sauce-Hollandaise-Verachtung) geschritten werden. Weißer Spargel hat gern flüssige Butter und Parmaschinken. Grüner kann auf etwa 500 verschiedene Arten zubereitet und kombiniert werden; keine davon verlangt nach der holländischen Fettschlacke. Die mag der Spargel nicht: tutses weg.