Doris Knecht
| 04/09
| Kurier-Kolumne
Entschuldigen Sie, wenn ich heute ausnahmsweise über’s Wetter schreibe: Ich tue das nur, weil absolut alle darüber reden. Das Wetter, so wie es sich derzeit / schon wieder / noch immer präsentiert, ist ein durch und durch mehrheitsfähiges Thema. Der Winter. Der Regen. Der Frühling, der nicht und nicht anfangen will.
Alle leiden darunter. Alle schimpfen darüber. Absolut keinem ist das Wetter mehr wurscht. Sogar die Kinder, denen das Wetter sonst meistens wurscht ist, mosern: Wieso muss ich immer noch die dicke Jacke und die warmen Stiefel anziehen, wenn der Frühling schon längst angefangen hat?
Er hat eben nicht angefangen. Aber er hat! Schau aussi, er hat nicht. Aber er muss längst! Ja, er müsste.
Immerhin: Einen derart breiten gesellschaftlichen Konsens, wie die Einigkeit darüber, dass der Winter die Sache überzogen hat und auf der Stelle zurücktreten muss, gab es innerhalb der Bevölkerung schon lange nicht mehr. Ich würde sagen: 99 Prozent der Österreicherinnen und Österreicher sind vollinhaltlich dafür.
Vor allem, weil alle Beweise, dass der Lenz da ist, längst vorliegen: Die Frühjahrsmüdigkeit. Die Sommerzeit. Das geöffnete Schweizerhaus. Die Sandalen in den Schaufenstern. Das schisportfreie Fernsehgerät. Die todesmutigen Fenster-Putzerinnen auf den Außen-Simsen im ixten Stock. Der saisonelle Haarausfall. Die Hemden-Farbe Pink. Der Schanigarten vor dem Café Hummel. Die Tulpen in den städtischen Beeten. Die Autoschlangen vor den Waschanlagen. Die Knospen an den Kastanien. Die Winter-Gas-Rechnung im Postfach.
Aber. Die Hoffnung auf eine definitive Verlenzung Österreichs lebt: Der Chef sagt noch für diese Woche sommerliche Temperaturen voraus. Und der Chef hat immer Recht.