Doris Knecht
| 04/09
| Kurier-Kolumne
Die Zürcher sind schwer geschockt. „Für Zürich ist der Rückschlag bitter“ klagte der Tagesanzeiger nur Stunden nach Bekanntwerden der Nachricht. Was ist passiert: Zürich wurde eben vom Lebensqualitätsrankingsthron verdrängt und zwar, tadaa!, von Wien.
Laut der jährlich veröffentlichten Umfrage der Personalberatungsfirma Mercer gilt Wien ab sofort als die Stadt mit der international höchsten Lebensqualität – vor Zürich, Genf, Vancouver, Kanada und Auckland, Neuseeland.
Das ist für die Zürcher schwer zu packen: Sieben Jahre lang führte Zürich die Rangliste an, jetzt muss man sich einer Stadt geschlagen geben, die nicht einmal eine See hat. Nicht einmal einen See!
Allerdings haben sich Menschen wie ich, die in beiden Städten gelebt haben, schon früher gefragt, was eine Stadt eigentlich konkret lebenswert macht. Welche Faktoren spielen da eine Rolle? Lebensqualität heißt ja nicht nur schöne Natur, schönes Wasser, schöne Aussicht, schöne Altstadt, schöne Restaurants. Und, wie Mercer vermerkt, beruhigende Friedlichkeits-, Sicherheits- und politische-Stabilitätswerte.
Zur Lebensqualität gehört schon auch, dass man sich die Wohnungsmieten und Lebenshaltungskosten leisten kann. Dass es ein vielfältiges Kinderbetreuungsangebot, auch für kleinere Kinder, gibt. Dass man auch in preiswerteren Restaurants gutes bis sehr gutes Essen bekommt. Und in all diesen Kategorien hatte Wien schon längst die Nase vorn. Während es in den Bereichen Kultur, ausländerfeindliche Wahlkämpfe und schwer verständlicher Dialekt ziemlich pari steht.
Nur so einen schönen See haben wir nicht. Aber das ist jetzt auch egal.