Doris Knecht
| 04/09
| Kurier-Kolumne
Die Osternestern sind geplündert: Jetzt werden die Tage bis zum Geburtstag gezählt. Es wird das heftig ersehnte Einser-Geschenk erwartet, das Master-Geschenk, das Geschenk der Geschenke: der Nintendo dings. Seit sie in Schule und Hort gehen, haben die Kinder zahlreiche Stunden damit verbracht, ihren Freunden beim Computerspielen zusehen. (Wobei in diesem Hort elektronisches Spielzeug nur einmal im Monat erlaubt ist und nicht, wie in anderen Wiener Horten, zur täglichen Nachmittagsbeschäftigung gehört: eine „Betreuung“, für die Eltern um die 250 Euro im Monat bezahlen.)
Wir litten noch zahlreichere Stunden unter einem unendlichen Kinderlamento: Wann kriegen wir auch einen! Wann, wann, wann, wann! Bitte, bitte, bitte, bitte! Ebensoviele Stunden lang haben wir Argumente vorgebracht, warum ein Kind ein derartiges Gerät nicht braucht, ja es sogar ein Privileg ist, wenn derlei nicht all die Zeit wegfrisst, in der ein Kind viele lustigere, sinn- und entwicklungspsychologisch wertvollere Dinge tun kann. Das verhallte ungehört: Bittebittebitte! Bittäää!
Jetzt haben wir, gegen unsere Überzeugung, resigniert: Gut, zum nächsten Geburtstag. Man will ja auch nicht die moderne Entsprechung jener Eltern sein, die ihren Kindern einst die Lektüre von Comics verboten haben: Weil die das ebenso unnötig und schädlich fanden, wie wir jetzt den Umstand, dass Kinder viele Stunden am Tag damit verbringen, mit einem Stäbchen auf einem kleinen Bildschirm herumzutippen. (Um zum Beispiel eine Puppe anzuziehen oder zu kochen. Ich meine: jetzt einmal ernsthaft? Was wurde aus der guten alten Wirklichkeit voller Puppengewand und echten Kochlöffeln?) Nun beugen wir uns halt dem Druck. Nicht gern.