29.05.09

Antworten dringend gesucht

Doris Knecht | 05/09 | Kurier-Kolumne

Zweierlei wird neu im Herbst: Die Wiener Kindergärten werden gratis und das letzte Kindergartenjahr wird österreichweit halbtags verplichtend. Heißt: dass viel, sehr viel mehr Kinder  die Kindergärten besuchen werden. Eltern, Pädagoginnen und Pädagogen – der KURIER berichtete – fragen   immer lauter, wie das denn bitte gehen soll. Denn schon jetzt haben Kindergärten Schwierigkeiten, genug gut ausgebildetes Personal zu bekommen, und es ist eher unwahrscheinlich, dass es diesen Sommer unversehens doppelt so viele Absolventen von Kindergartenschulen geben wird wie bisher.
Und es ist auch nicht wahrscheinlich, dass sich, weil es die Situation plötzlich erfordert, überraschend doppelt so viele junge Frauen und Männer wie bisher entschließen werden, eine Kindergartenpädagogik-Ausbildung zu beginnen:
Zwar sind die Arbeitsplatz-Aussichten trotz Krise traumhaft, aber die Gehälter, vor allem die Einstiegsgehälter, sind es nicht. Die sollen nun sukzessive erhöht werden, allerdings betrifft das kaum jene Pädagoginnen, die schon länger unglaublich wichtige und – man lernt das, sobald man selbst Kindergärtler zuhause hat – großteils hervorragende Gesellschaftsarbeit leisten. Die haben jetzt nur Angst vor dem Herbst. Und  das mit Recht.
Denn die Antworten, wie das alles genau gehen soll, blieb uns die Stadt bisher schuldig. Werden die bewährten Pädagoginnen das schon irgendwie schupfen? Wird ihnen vom AMS blitz-geschultes Hilfspersonal beigestellt? Wird an die bestehenden Kindergärten zugebaut oder werden neue eröffnet? Wann und wo?
Es soll noch einmal gesagt werden: Es ist prächtig, dass der Gratiskindergarten endlich kommt. Aber ohne die nötige Infrastruktur  wird es ein Desaster.
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