06.05.09

Das wäre ein schönes Plätzle, da drüben.

Doris Knecht | 05/09 | Falter-Kolumne | Schuld und Sühne | Stadt/Land

Haemmerli ist immer noch in Saigon, Dylan hat ein neues Album, das ich, trotz aufmunternder Worte des erfahrenen Herrn Vesely, nicht anzuhören wage, und meine Eltern waren da. Also im Waldviertel. Schön wars. Sind gute Eltern, Eltern, die einem eine weitgehend untraumatisierende Kindheit bescherten. Eltern, die ihren erwachsenen Kindern praktisch nicht auf den Sack gehen, was, wie empirische Untersuchungen im erweiterten Freundeskreis beweisen, eher selten vorkommt. Eltern, die zupacken, wenn es etwas zum Zupacken gibt. Eltern, die zupacken, wenn es nichts zum Zupacken gibt: Was ein Wochenende mit ihnen zu einer zart anstrengenden Sache machen kann. Vor allem, wenn man selber nicht so eine Zupackerin ist. Besser: eine selektive Zupackerin, welche die vererbte vorarlbergerische Tüchtigkeit in ihren Genen mit mühsam antrainiertem wienerischem Laissez-Faire relativ gut unter Kontrolle hält. Konkret bedeutet das: ich kann den Haufen alter Bretter an der Schuppenwand sehen, ich kann mir die Schuppenwand ohne Bretterhaufen vorstellen, und ich kann sitzen bleiben, ohne davon Schlafstörungen zu kriegen. Der Langeauch. Irgendwann wird der Zeitpunkt kommen, da wird der Lange sich vom Horwath die Motorsäge ausborgen und den Haufen in kleine Teile sägen, die ich woranders aufstaple. Irgendwann. Dann. Vielleicht morgen. Vielleicht auch nicht; wuascht.

Meine Mutter hat gerade erst den Tisch von unterm Birnbaum an einen sonnigeren, weniger zugigen Ort gerückt, fällt ihr schon auf, was das dort drüben für ein schönes Platzerl wäre, wenn man den Holzhaufen endlich versägen und woanders aufstapeln würde. Ja, Mama. Ein sehr schönes Plätzle wäre das, und windgeschützt. Stimmt Mama, aber wir haben schon vier schöne Plätze rund ums Haus, zwei davon praktisch zugluftfrei. Mein Vater sagt, eine Stunde, höchstens zwei, länger braucht er nicht, um diesen Haufen wegzusägen, habt ihr eine Motorsäge? Nein, nur der Horwath, und lieb von dir Papa, wir machen das schon irgendwann. Meine Mutter sagt, sie sagen ja nur.

Nachdem mein Vater fünf Lampen montiert und meine Mutter absolut alle dürren Zweige aus dem Grundstück geschnitten und alle Brennesseln ausgerissen hat, helfe ich den Mimis ihre Erdbeeren vorne in ihre Beete zu pflanzen, und bis ich bemerke, dass meine Mutter das hintere Beet schöner harkt, ist sie schon in der Hälfte. Während ich noch die Radieschen, Karotten und Erbsen betrauere, die ich darin in der Vorwoche gesät habe, höre ich von hinterm Haus Sägegeräusche und finde einen knapp siebzigjährigen Morbus-Bechterew-Patienten mit gerade überstandem Ischiasleiden, der mit der Bogensäge dicke Balken in Stücke sägt. Ich frage meinen Vater, ob er narrisch geworden ist, und gehe, obwohl der keucht, da sei ganz leicht, hinüber zum Horwath, die Motorsäge holen. Und einen Schnaps kippen. Sind gute Eltern. Und unglaublich tüchtig.
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» 13.05.09 18:26
Norbert

Liebe Frau Knecht!

Bitte hören Sie sich den neuen Dylan NICHT an! Das Album ist grauenhaft, es ist nicht ein EINZIGES gscheites Lied drauf, lauter richtige Schnulzen oder uninteressantes Geträller, zutiefst deprimierend.

Alles Gute

NH

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