Doris Knecht
| 05/09
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Das Problem mit den Süßigkeitenverstecken im Kinderzimmer hat sich jetzt insofern für alle Zeiten erledigt, als in einem davon eine Fleischfliege ihr Nest gebaut und ein paar Dutzend Eier ausgebrütet hat. Nachdem ich vor den Augen der Mimis ungefähr 40 fette und zum Glück noch nicht komplett flugtüchtige Fliegen erschlug, räumten die Mimis ihre diversen Geheimlager freiwillig aus; zumindest die, an die sie sich noch erinnern konnten. Die Liste der noch anstehenden Erziehungsaufgaben wurde also mit tatkräfitger Unterstützung der Natur um eins verkürzt. Einiges steht dagegen noch aus. Auf der Das-gewöhnen-wir-uns-ab-Seite: Nägelbeißen, Lügen, Stehlen, Zündeln, Jausenvollkornbrote gegen Milchschitten tauschen, bösartiges sams- und sonntägliches Frühaufstehen, scharfkantige Legoteile unter den frisch pedikürten Sohlen der Eltern deponieren, vorsätzliches Hausaufgabenhefte vergessen, Kreischen auf dieser Mörderfrequenz. Auf der Das-lernen-wir-noch-Seite: regelmäßige Betätigung der Klospülung, Händewaschen, Zähneputzen, Gemüseessen, Zimmeraufräumen, Befehlebefolgen, mucksmäuschen still am Rücksitz sitzen und die vorbeifliegende Natur bewundern, den guten Eltern stets dankbar sein.
Aber nicht nur die Fauna unterstützte die Erfüllung von Elternwünschen, auch der ORF. Leider ist Dancing Stars, das über die letzten Wochen in unserem Haushalt eine Blitz-Karriere als beliebtestes Druckmittel zur Durchsetzung von Forderungen machte, jetzt aus: Mit befriedigendem Ergebnis für eins der Mimis und zum sehr großen Unmut des anderen, das es extrem unlogisch fand, dass Ramesh Nair nicht Dancing Stars werden durfte, weil er tanzen konnte. Darum geht’s doch, schimpfte das Mimi und malte dem aus einer Zeitung gerissenen Inder über seinem Bett gerade extra einen Heiligenschein. Gemein!
Ach, ja, gemein: Ich habe Sedlacek ein SMS geschickt, dann hat mir Sedlacek ein SMS geschickt. Das SMS war beleidigend. Das SMS war unheimlich beleidigend. Wahrscheinlich habe ich nie zuvor in meinem ganzen Leben ein beleidigenderes SMS bekommen, nicht einmal von Sedlack, der bekanntlich sehr nah an der Beleidigung gebaut ist. Aber diese SMS war so unvorstellbar, ja obszön beleidigend, dass ich Sedlaceks nächste vierzig, nein, HUNDERTvierzig SMSe ignorieren werde. Und mindest 200 Mal hebe ich nicht ab. Ich freue mich richtig darauf, nicht abzuheben, ein Strichelliste werde ich mir anlegen, weil ich unter keinen Umständen weniger als 200 Mal nicht abheben werde, und vielleicht werde ich danach auf 300 erhöhen oder auf 350; genetische und austrologische Voraussetzungen ermöglichen mir das. Und ganz bestimmt werde ich Sedlacek nie, nie niemals wieder an seinem Geburtstag ins Telefon singen, wie an seinem letzten, wo er vor Rührung fast ein Ei gelegt hat, das war das erste und letzte Mal, ja, ja, sagt ihm das ruhig, wenn ihr ihn seht, ist mir völlig wurscht.