24.05.09

Es ist nicht nur die FPÖ

Doris Knecht | 05/09 | Kurier-Kolumne

Jahrelang waren Neonazis in Österreich kaum ein Thema, jetzt sind sie wieder derart sichtbar, dass man sich fragt: Wo kommen die jetzt plötzlich her? Wurden hier harmlose Kinder über Nacht in gewaltbereite Neonazis verzaubert? Oder warum hat das sonst keiner bemerkt? Wollte man nicht? Wurden die Anlagen für eine gewaltbereite rechte Szene  übersehen oder heruntergespielt?
Ebensee hat ein winziges Gutes: Die Öffentlichkeit ist wieder dafür senisbilisiert, dass es vom bleden Buam mit interessanter Weltanschauung zum kriminellen Straftäter oft nur ein kleiner Schritt ist. Ein Schritt, den man verhindern muss.
Auch wenn die FPÖ die Ebensee-Geschehnisse in ihrem EU-Wahlkampf sehr offensiv als Streiche von Buben abtat, die sich, so FPÖ-Chef Strache durch „ein paar Tachteln“ von ihrem Übermut heilen lassen. Womit Strache die Täter von Ebensee nicht nur in Schutz nimmt, sondern ihnen und anderen Jugendlichen mit ähnlichen Interesen eine Heimat in einer Partei anbietet, bei der es schon einmal vorkommen kann, dass man in eine Wehrsportübung u.ä. verwickelt wird. Und wo Verirrungen dieser Art nicht zu gesellschaftlicher Ächtung führen, sondern mit etwas Glück zu einem angesehenen und gut bezahlten Job bei einem Nationalratspräsidenten.
Und an dieser Stelle muss es wieder  gesagt werden: Es verharmlost nicht nur die FPÖ. 109 von 183 Parlamentsabgeordeten, also mehrheitlich Abgeordnete der SPÖ und der ÖVP, haben einen Nationalratspräsidenten gewählt, der nach wie vor Mitglied einer rechtsextremen Burschenschaft ist. Man will jetzt endlich einmal einige von denen sagen hören, dass das ein Fehler war. Und zwar so, dass es auch Jugendliche vernehmen.
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