Doris Knecht
| 05/09
| Kurier-Kolumne
Erstens, die Schweinegrippe heißt nicht mehr Schweinegrippe. Sie heißt jetzt Neue Grippe, die WHO hat’s angeordnet, um noch größeres Unheil von den jetzt doppelt krisengeschüttelten Schweinezüchtern abzuwenden.
Zweitens lässt sich im Kontext der Neuen Grippe in Österreich durchaus eine Lust an der Katastrophe beobachten: Wir wollen auch! Wir wollen auch Angst haben! Schlottern wollen wir vor Angst! Denn lange, bevor der erste Verdacht bestätigt wurde, befiel das „Killervirus“ Österreich schon in dreieinhalb Zentimeter hohen Lettern, ja, wurde gar „im Taxi verschickt“: wobei die Frau, deren Abstrich „quer durch Österreich“ (von Steyr nach Wien) geschickt wurde, gar nicht mit dem H1N1-Virus infiziert war.
Hätte aber sein können. War sogar praktisch sicher. Die Chancen standen extrem gut. Wohl deshalb war auch ein kleineres Titelblatt schon über die „ersten Fälle“ informiert, bevor es die Ärzte waren. Ja, klar: Hätte sich der Verdacht nicht bestätigt, hätte man, sicher ist sicher, lieber einmal zu viel gewarnt gehabt als einmal zu wenig. Jetzt, wo er sich bestätigte, hat man es zuerst gewusst.
Drittens ist die Neue Grippe für manche offenbar sogar begrüßenswert. Der Immunologe Wolfgang Graninger sagte gestern dem Standard: „Wir haben ja alle das Medikament gebunkert und warten nur darauf, dass wir es auch einsetzen können, zudem läuft es bald ab. Roche, dem Hersteller von Tamiflu, hätte nichts besseres passieren können.“ Da ist sie wieder: Die Lust an der Katastrophe, jetzt noch geiler. Denn auch von der Neuen Grippe werden viele profitieren. Und winken ihr jetzt freudig entgegen: Hallotschi!, endlich da!, wir schlottern schon.