7.05.09

Im Krisengemüsegarten

Doris Knecht | 05/09 | Kurier-Kolumne

Zum Beispiel: Schälen, halbieren, auf ein Blech legen, Salz, Olivenöl und Rosmarin darauf, eine gute halbe Stunde bei 220 Grad backen. Oder: kochen, schälen, stampfen, Milch, Butter, Salz und Muskat dazu. Oder grob stifteln und frittieren. Oder raspeln, Kümmel hinein, braten. Oder cirka 1000 weitere  Möglichkeiten.
Es kann schon keiner mehr hören, aber es ist nun einmal so: Erdäpfel sind das perfekte Krisengemüse. Sieht nach nichts aus, gibt’s überall, kostet praktisch nichts, ist zubreitungstechnisch extrem niederschwellig, macht unhungrig und  – unter Beistellung von, nur zum Beispiel, einem Hendl oder ein paar Fleischlaberl  – überaus glücklich.
Weshalb die Menschen jetzt zusehends auf die Idee verfallen, ihre Erdäpfel - weiter westlich bekannt als Grumpara, also Grundbirnen – am eigenen Grund zu ziehen: Selbst wenn der nur so groß ist wie ein  Blumenkistl.  Offenbar werden heuer im Handel sogar eigene Topf-Erdäpfel für den Balkon angeboten; die Nachfrage hat’s wohl bestimmt.
Überhaupt liegt der private Gemüseanbau mörder im Trend, wie die Menschenmassen vermuten lassen, auf die ich am Wochenende im Schaugarten der „Arche Noah“ in Schiltern traf:  Dort werden  alte und seltene Gemüse- und Obstsorten gerettet, vermehrt und verkauft (www.arche-noah.at). Ich erstand Tomatensetzlinge mit  abenteuerlichen Namen, Ananas-Erdbeeren-, Spagetti-Kürbis- und fünffärbige Mangold-Pflanzerl und keine Saat-Erdäpfel, weil ich die nämlich von der Nachbarin bekam: mehlige und Ditta, violette und rosarote. Die stecken jetzt in der Erde, wo sie sich tüchtig vermehren mögen. Die violetten schmecken übrigens – korrigieren Sie mich, falls ich mich irre – am besten gekocht mit Butter und Salz.
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