Doris Knecht
| 05/09
| Kurier-Kolumne
Das Krisengemüse, also die Erdäpfel, die ich vor einigen Wochen in die Erde gesteckt habe, wachsen schon, nur falls es jemanden interessiert. Und die Paradeiser blühen. Und der Mangold explodiert. Und den Salat haben die Schnecken gefressen. Eh nicht den ganzen; aber die Selbstversorgung mit Blattgrün ist derzeit absolut nicht gewährleistet.
Apropos Selbstversorgung. Leserin Veronika H. rät, einmal sein Brot selbst zu backen, und die Autorin schließt sich dem nach mehrmonatigem Selbstversuch an: Einen halben Würfel Germ in ein halbes Kilo Mehl bröseln, 3/8 Liter warmes Wasser, einen Löffel Salz, ein Schuss Öl oder einen halben Becher Joghurt dazu. Gut kneten, Minimum eine Stunde gehen lassen. Irgendetwas daraus formen. Im heißen Rohr 20 Minuten bei 240 Grad backen, dann ca. zehn Minuten bei 200 bis 220 Grad; mehrmals mit Wasser bestreichen. Raustun, fertig; kostet keinen Euro.
Und klingt nach einer Einladung zur Spießbürgerei, ja, aaaber: Ich glaube, dass es in schwierigeren Zeiten Sinn macht, sich Kulturtechniken anzueignen oder zu entsinnen, deren Beherrschung in Fertig- und Instant-Zeiten entbehrlich war. Jetzt gar nicht aus einer Überlebensnotwendigkeit heraus, sondern aus psychologischen Gründen. Es stärkt das Selbstvertrauen, wenn man sich einiger Talente sicher sein kann, wenn man etwas bauen, herstellen, wachsen lassen, reparieren, denken, kochen, und, ja, backen kann. Selber machen. Wenn man nicht in absolut jedem Lebensbereich die Fähigkeiten anderer zukaufen muss oder auf fremde Hilfe angewiesen ist.
Nein, das ist gewiss kein Rezept gegen die Krise: Aber vielleicht gegen die Krise in sich selbst.