22.05.09

Unter Zehn-Däumlern

Doris Knecht | 05/09 | Kurier-Kolumne

Der G.  hat eher harsch auf die gestrige  Selbstversorger- und Selbermacher-Kolumne (www.kurier.at/interaktiv/blog) reagiert: Diese Schollenromantik! Bitte! Also er fände das direkt ein bissl faschistoid. Und dieses Handwerkspathos; also das sei doch wohl ein ziemlich bildungsfeindliches, ja antiintellektuelles Konzept.
Er wolle, Krise hin oder her, auch künftig nicht verzückt an Eigenbau-Karotten schnuppern und ganz gewiss kein Brot backen. Er sei ein großer Anhänger der arbeitsteiligen Gesellschaft und beabsichtige, es  zu bleiben: Er benütze den Inhalt seines Kopfes für Denk-Arbeit und der Bäcker backe das Brot. Das sei richtig  so und solle unter allen Umständen auch in Zukunft so bleiben. Im Übrigen, sagt G., sei es gerade in der Krise total unverantwortlich, wenn ich meine Dienstleistungen von nun an selbst erledige, weil das dem Dienstleistungssektor die Existenzgrundlage noch weiter entzöge.
Ja. Hm. Allerdings gehen jetzt zum Beispiel die Bäcker nicht wegen der paar Hansln ein, die ihr Brot selber backen, sondern wegen der Masse, die lieber im Supermarkt konserviertes, folienverschweißtes oder gebähtes Brot kauft als richtig gebackenes vom Bäcker. Und es geht ja gar nicht darum, sich vom Dienstleistungssektor ganz unabhängig zu machen, das funktionierte sowieso nicht, sondern es geht darum, ein bisschen mehr aus sich herauszuholen. Verborgene Talente auszugraben, einfache Dinge wiederzuerlernen, mit den eigenen zwei Händen etwas zu schaffen (und ja, ich spreche hier als eine, deren Hände vor allem mit der Tastatur vertraut sind).
Ja, eben, sagt der G., welche Lobby vertritt denn eigentlich uns Zehn-Däumler, die für jegliches  Handwerkliche einfach zu ungeschickt sind? Ja, das ist ein Problem. Aber das kann ja der Kopf vom G. lösen.
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