Doris Knecht
| 05/09
| Kurier-Kolumne
Anfang Oktober 2008 wurde Frau G. arbeitslos. Sechs Monate suchte sie erfolglos nach einem neuen Arbeitsplatz in ihrem erlernten Beruf als Flugbegleiterin, dann setzte sie sich ein neues Ziel: Architektur zu studieren.
Dafür benötigt man eine Matura. Frau G. holte beim AMS die Erlaubnis ein, bei der Maturaschule Roland einen Halbtagskurs zur Berufsreifeprüfung besuchen zu dürfen. Die Kostenübernahme wurde zwar abgelehnt, aber das AMS hatte vorerst keine Einwände gegen den Kursbesuch. Frau G. schrieb sich ein, verpflichtete sich zu einer Ratenzahlung, der Kurs sollte am 11. Mai beginnen.
Anfang März wies das AMS Frau G. einer eigene Beraterin zu: die war gegen den Matura-Halbtagskurs, und schlug Frau G. eine Berufsorientierungskurs vor. Frau G. wollte das nicht, da er mit dem Maturakurs kollidierte, welcher wiederum, aus Sicht des AMS, verhinderte, dass Frau G. Arbeit vermittelt werden konnte. Kurz: Es gab unterschiedliche Auffassungen über Frau G.s Zukunft. Das kommt vor.
Aber kurz darauf erhielt Frau G. vom AMS ein Schreiben, in dem ihr vorgeschlagen wurde, an dem Projekt „Arbeitsintegration für Frauen mit türkischem Migrationshintergrund“ teilzunehmen. Denn das vergaß ich zu erwähnen: Frau G. kam als siebenjährige Türkin nach Österreich. Sie spricht perfekt Deutsch, war Klassenbeste in ihrer Berufsschule und bestand die Lehre als Restaurant-Fachfrau mit Auszeichnung. Seit 2002 ist sie österreichische Staatsbürgerin.
Es handle sich, so das AMS auf KURIER-Nachfrage, um ein Pilot-Projekt, das Frauen helfen soll, die durch ihren migrantischen Hintergrund am Arbeitsmarkt benachteiligt sind. Daran ist nicht auszusetzen, außer, dass Frau G. sich bisher nicht benachteiligt fühlte. Aber jetzt; und sie schrieb Sozialminister Hundsdorfer deshalb einen bitteren Brief. Das Sozialministerium will sich der Sache annehmen.
Also, ich hab in JAHREN nie eine einzige positive Story über das AMS gehört oder gelesen, dafür kiloweise negative. NUR negative. Das AMS ist offenbar durch und durch deppert, inkompetent, arrogant, desinteressiert und behandelt seine Klienten wie die letzten Bittsteller.
Das AMS ist nur für eine einzige Gruppe von Arbeitslosen gut, nämlich die, die garantiert (und fast möchte man sagen: zurecht) arbeitslos wären, wenn sie eben nicht --- beim AMS arbeiten würden.
Im Übrigen mag ich die meisten Ihrer Postings, wenn schon nicht alle (wie denn auch), und das obwohl Sie mich seltsamerweise Mitte der Neunzigerjahre nicht kennenlernen wollten.
(Und nur zur Erklärung der heute geballten Postings: Ich sitz mit Laptop in einem Lokal und mir ist fad... ;-))