Doris Knecht
| 06/09
| Kurier-Kolumne
Gratiskindergarten, zigtes Kapitel. Alexandra G. s fünfjährige Tochter besucht einen Privat-Kindergarten in Mariahilf. Einen zweisprachigen Privat-Kindergarten, denn der Vater der Kleinen lebt im Ausland, spricht nicht Deutsch und die Mutter möchte, dass ihre Tochter mit ihrem Vater kommunizieren kann. Der Kindergartenplatz kostet Frau G. bisher 421 Euro pro Monat: Aufgrund Ihrer Einkommenssituation erhielt sie allerdings einen Zuschuss von der Gemeinde Wien.
Ab Herbst werden nun die städtischen Kindergärten gratis sein. Eltern, deren Kind einen Privat-Kindergarten besucht, erhalten einen Zuschuss von mindestens 226 Euro. Daneben hat die Gemeinde die Förderung der Privat-Kindergärten umgestellt: Und zwar so, dass der Kindergarten von Frau G.s Kind ab Herbst weniger Fördergeld erhält, was zur Folge hat, dass die Preise für jedes einzelne Kind erhöht werden müssen. Da der Zuschuss, den Frau G. bislang bekam, nun durch den neuen Zuschuss ersetzt wird, kostet der Kindergartenbesuch für Frau G.s Tochter um 100 Euro im Monat mehr als bisher.
Alexandra G. schrieb deshalb an Stadtrat Christian Oxonitsch, dessen Büro sie auch zurückrief: Man wisse über Fälle wie den ihren Bescheid, könne aber im Moment nichts tun. Vielleicht werde sich aber in einem Jahr etwas ändern.
Soviel zum Gratiskindergarten für ALLE. Nein, halt, noch mehr: Denn ich weiß mittlerweile von mehreren Müttern von Kleinkindern, u.a. alleinerziehenden Unternehmerinnen, die für alle Kindergarten-Plätze, für die sie ihr Kind angemeldet hatten, Absagen erhielten. Alles ausgebucht. Kein Platz in vernünftiger Distanz zu Wohnung oder Arbeitsplatz mehr frei. Gratis ja, Kindergartenplatz leider nein. Was tun die nun?