18.06.09

Bitte HIER einbrechen

Doris Knecht | 06/09 | Kurier-Kolumne

Die Geschichte erinnert stark an die vom Feuerwehrmann, der seine Aufgabe so sehr liebt, dass er heimlich selbst Brände legt, um sie dann löschen zu dürfen. Sie geht so: Herr N. wohnt in einem von der Einbruchswelle nicht verschonten Wiener Innenbezirk und wollte zu Fronleichnam gerade ins verlängerte Wochenende abreisen. Als er gegen zehn Uhr vormittags seine Wohnung verließ und die Tür versperren wollte, fand er vor dieser gut sichtbar platziert ein Flugblatt, das offenbar kurz zuvor abgelegt worden war. Natürlich auch vor den Türen der Nachbarn, die längst an ihre Wochenendzielorte abgereist waren, – und da selbst vor jenen mit offiziellen „Bitte-kein-Reklamematerial“-Pickerl. So oder so würden die Folder tagelang vor den Wohnungen liegen bleiben. Ein schönes Signal an alle Einbrecher, dass mit der Rückkehr der Bewohner vermutlich nicht vor Sonntag Nachmittag zu rechnen ist: Bitte HIER einbrechen. Das ärgerte Herr N. sehr, also sah er sich den Flugblatt-Verursacher genauer an und musste tüchtig staunen: „ACHTUNG WICHTIGE MITTEILUNG“ stand da in roten Versalien. Darunter wurde Herr N. über die „Aktion sicheres Wohnen in Wien“ des Ebreichsdorfer Sicherheitstüren-Herstellers R. informiert. „In Wien werden schon über 50 Einbrüche täglich verübt!“ Um diesen „wirksam entgegenzutreten“, las Herr N., förderten die Stadt Wien und die Firma R. „den Tausch Ihrer Wohnungseingangstüre gegen eine Sicherheitstüre“. Austria Gütesiegel, Önorm Auszeichnung, und: empfohlen „vom kriminalpolizeilichen Beratungsdienst“. Soso. Dass der kriminalpolizeiliche Beratungsdienst diese Art der Werbung empfiehlt, ist allerdings unheimlich unwahrscheinlich.
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