Doris Knecht
| 06/09
| Kurier-Kolumne
Brüno! Österreich hat einen neuen Botschafter in der Welt. Bruno, der österreichische Reporter, hat sich mit seinen berührenden Interviews in kurzer Zeit ein derartiges internationales Renommee verschafft, dass Sacha Baron Cohen nun eine biografische Dokumentation über ihn gedreht hat, die bald in die Kinos kommt: „Bruno“.
Es ist allerdings zu befürchten, dass auch Bruno das Schicksal international erfolgreicher Österreicher ereilt, die in Aus- und Deutschland gemeinhin als Deutsche wahrgenommen werden. Wie aktuell Michael Haneke, dessen Goldene-Palme-Film als deutsches Werk verkauft wird (und zwar, nun ja, zu Recht) oder wie Daniel Kehlmann, der von Vanity-Fair-online ohne einen Genierer in die Wahl zum „wichtigsten Deutschen“ aufgenommen wurde. Dass Deutschland sich auch des kolossalen Brunos bemächtigt, der, wie man im Film sehen wird, auf seinen ipod verzichtete, um sich eines schwarzen Adoptivbabys annehmen zu können, muss partout verhindert werden.
Denn es wäre von unabsehbarem Schaden für Österreich, ist Bruno doch ein typischer, ja freudscher Charakter, der unser Land in der Welt perfekt repräsentiert: Als einer seiner Interview-Partner seine Rechte zum Hitlergruß ausstreckt, ignoriert Bruno das nicht einmal; der Mann mit der Hautperücke will, wir kennen das, ja wahrscheinlich nur ein Bier bestellen. Oder seine Mami grüßen.
Wir alle können viel von Bruno lernen: Stil, Lebensfreude, Vielseitigkeit, Furchtlosigkeit. Und dass man nie seine Herkunft verleugnen soll: Fast jeden seiner Interview-Partner bittet er um eine „Botschaft an die österreichische Gay-Community“. Dieser Mann ist stolz auf seine Heimat. Seien auch wir stolz auf ihn.