Doris Knecht
| 06/09
| Kurier-Kolumne
Es ist ein Zufall oder es ist kein Zufall, dass zwei große deutsche Magazine diese Woche das Glück im Titel führen. ,Der Spiegel weiß jetzt „Was Glück ist“. Focus findet das „Glück, selbstgemacht“: Die Geschichte über die neue Do-It-Yourself-Bewegung spürt einem Selbermachen-und-Selberpflanzen-Trend nach, der hier in diesem Kasterl auch schon erschnuppert und frech behauptet wurde: Weil gerade sehr viele Menschen, auch wenn sie gar nicht müssten, die Dinge lieber wieder selber in die Hand nehmen und sich ihre Erfolgs- und Glückserlebnisse buchstäblich basteln.
Die hier aufgestellte These, dass es zumindest das Selbstvertrauen stärkt, wenn man sich einiger Fertigkeiten sicher sein kann, wird in Focus löblicherweise von einem Neurobiologen untermauert: Der Do-It-Yourself-Trend, sagt der Doktor, sei „vielleicht eine Rückbesinnung auf diejenigen Bereiche im Leben, wo man noch wirklich etwas gestalten kann“. Und wissenschaftlich betrachtet: „Wenn man mit den Händen arbeitet, wird das Denken, Handeln und Fühlen wieder eins.“
Plus: Wenn man es selbst gemacht hat, weiß man, aus was es ist. Und muss sich nicht, wie jetzt zum Beispiel beim Erdbeerjoghurt oder beim Käse auf der Pizza fragen, ob das, was man sieht, auch wirklich da ist. Bei dem, was im Joghurt wie Erdbeeren aussieht und schmeckt, handelt es sich bekanntlich häufig um Baumrinde. Der Pizzakäse dagegen ist, wie ich erst letzte Woche lernte, oft gar keiner, sondern etwas, das man als Analog-Käse bezeichnet. Danke, sehr gschmackig.
So gesehen ist das Glück auch ein Radieschen. Z.B. das, das ich vorhin aus dem Blumenkistl zog: mitleiderregend klein, aber sehr mein. Und hundertprozentig original Radieschen.