Doris Knecht
| 06/09
| Kurier-Kolumne
Das Elternquäldepartement hat sich eine neue Gemeinheit ausgedacht. Besser: Es hat eine alte Gemeinheit wieder ausgegraben. Denn Ende der 90er Jahre taumelten Kinder schon einmal im Gogo-Wahn, und jetzt wollen sie sie wieder: diese kleinen Plastik-Knochen, abgepackt zu 3 Stück um je 1,50 Euro. Es gibt 80 Modelle in je fünf Farben, damit das Sammeln, Tauschen und Kaufen nie ein Ende nehmen möge. Denn auch wenn man damit prima pfitschigogerln kann, geht es natürlich darum, möglichst viele verschiedene davon zu besitzen.
In der Schule haben sich die Gogos innerhalb von einer Woche wie eine Seuche ausgebreitet. Und, Überraschung!, meine Kinder wollen auch welche. Zum Beispiel als Belohnung für Zahnarzt-Tapferkeit am Nachmittag. Wo gibt’s das Glumpert? In jeder Trafik. Na gut, ich besorg’s.
Das Versprechen war übereilt: Trafik eins hat keine, in Trafik zwei sind sie ausverkauft, Trafik drei informiert darüber, die Dinger seien nicht nur ausverkauft, sondern momentan wegen übergroßer Nachfrage nicht lieferbar. Der Schreibwarenhändler hat auch keine mehr. Trafik vier: ausverkauft. Trafik fünf: nix. Die Mutter rechnet schon einmal aus, was es sie kosten wird, wenn sie ohne diese Gogos ankommt. Trafik sechs im mittlerweile dritten Bezirk rettet ihren Tag.
Der Sohn von Kollegin B. hat auch schon ein Dutzend. Und pfefferte, um seiner Mutter die Stabilität, also Sinnhaftigkeit des Spielzeugs zu beweisen, eins der Gogos gegen den Fußboden. Kunststoff made in China traf auf 60-jährigen Parkett made in Niederösterreich. China gewann. Jetzt sind wir schon zwei, die flehentlich hoffen, der Gogo-Fluch möge bald weiterziehen.