14.06.09

Der tollste Platz der Stadt

Doris Knecht | 06/09 | Kurier-Kolumne

Die Aufregung um das Getränke-Mitbring-Verbot im Museumsquartier hat  auch einen Meta-Grund: Wien ist mit großen, zentralen Plätzen nicht gesegnet.  Die großen Plätze gehören entweder den Touristen (Stephansplatz) oder den Hunden (Heldenplatz) oder den Autos. Wenn nicht, mangelt es ihnen meist an der gastronomischen und kulturellen Infrastruktur, die längeres Verweilen attraktiv macht – wie am Rathausplatz: Außer er ist bespielt, dann ist er aber jeweils  auch komplett verbaut und überlaufen.
Deshalb war das Museumsquartier ja  von Beginn an so ungeheuer beliebt bei praktisch jeder Bevölkerungsgruppe: Man kann sich dort treffen und/oder Kultur, Essen und Bier konsumieren. Es gibt Sanitäranlagen und für kleine Kinder   kein Entkommen. Man sieht von einem zum anderen Ende, und wen das beängstigt, der verschafft sich im Zoom- oder im AZW-Hof  mehr Intimität.
Dazu haben PPAG das einzigartige Stadtmöbel Enzi entworfen, das zigfache Bespielung ermöglicht und mittlerweile in den Rang eines zeitgenössischen Wiener Wahrzeichens rückte. Der MQ-Hof erfüllt einfach absolute jede Voraussetzung dafür, der tollste Platz Wiens zu sein. Und als solcher wird er von immer mehr Menschen angenommen.
Jetzt kann man sich auf freien, öffentlichen Plätzen das Publikum nicht aussuchen: je größer, desto Querschnitt der Gesellschaft. Da es sich beim MQ-Hof aber streng genommen um einen privater Platz handelt, kann seine Direktion natürlich einen privaten Sicherheitsdienst engagieren, der den Querschnitt Richtung brave Konsumenten verkleinert, indem er  für Ordnung sorgt. Aber er sorgt eben auch für das Ende des Frei-Raums.
Die Moral ist aus der Geschicht leicht herausdestilliert: Mehr große, freie Plätze braucht die Stadt.
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