26.06.09

Hoffentlich hört es auf

Doris Knecht | 06/09 | Kurier-Kolumne

Und die Flüsse schwellen. Und das Wasser steigt. Und es regnet immer noch. Im Wetterbericht hieß es, es hört auf, aber es regnet nach wie vor. Am Abend soll es aufhören, heißt es jetzt. Hoffentlich. Ich habe den C. angerufen, und er hat gesagt, er kann schon von der Veranda aus in den Fluss schiffen; der Kerl hat Nerven. Der Fluss ist normalerweise gute fünfzehn Meter weit weg, und jetzt noch ungefähr, schätzt der C., einen Meter achtzig. Trotzdem bleibt der C., sagt er, noch ganz gelassen, denn dieser Fluss ist, im Moment jedenfalls, keiner von den Sorgen-Flüssen, diesmal nicht. Und wird es hoffentlich auch nicht. Während des Hochwassers 2002 konnte der C. nicht stehen, wo er jetzt steht, weil dort alles unter Wasser stand, Schuppen, Häuser, Höfe, Ställe. Das Wasser riss die Brücke weg und trieb Autos vorbei, Möbel, Tierkadaver und sogar, der C. schwört es, einen Mähdrescher. Danach haben sie tagelang den Schlamm aus den Häusern geschaufelt, aus den Küchen und den Stuben und den Schlafzimmern. Sie rissen die Böden heraus. Sie warfen die zerstörten Einrichtungen in die Gärten. Die Häuser sind innen längst alle wieder schön. Die Brücke wurde neu gebaut. Und der Fluss hat ein tieferes Bett bekommen. Aber an manchen Hauswänden zeigt der Fassadenputz immer noch, wie hoch das Wasser damals stand. Im Moment sieht noch alles gut aus, sagt der C. Also vergleichsweise gut. An den Sorgen-Flüssen haben die Leute schon die Gummistiefel an, pumpen ihre Keller aus und werfen kaputte Möbel vor die Häuser. Man sieht schon Zillen, wo sonst Autos fahren. Am Abend soll es zu regnen aufhören. Ein Meter siebzig, sagt der C. am Telefon. Hoffentlich hört es auf.
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