Doris Knecht
| 06/09
| Kurier-Kolumne
Schon in Ordnung, schimpfen sie mich ruhig lästig. Denn es geht schon wieder los mit Radfahr-Verklärung, weil: a) hat es bis jetzt schmerzlich wenig genützt. B) liege ich im Trend, auch wenn immer noch viele Autofahrer hoffen, dass das Radfahren schon baldt verboten wird. C) wegen Kopenhagen.
Die Innenstädte der europäischen Metropolen haben ja alle das selbe Problem. Zu viele, viel zu viele und immer mehr Autos, und alle daraus resultierenden Unter-Probleme: verstopfte Straßen, zu wenige Parkplätze, Stau, Lärm, giftiger Gestank.
Rezepte dagegen sind zahlreich: von Zuwarten, ob es von selbst weniger wird, über City-Maut bis zu innerstädtischen Fahrverboten. Die dänische Hauptstadt Kopenhagen probiert etwas Neues: Sie stellt die Radfahrer ins Zentrum innerstädtischen Verkehrs.
Die Bewegung der Innenstadt soll sich der Bewegung der Radfahrer anpassen – und ihrem Tempo, was konkret heißt: Tempo 40 in der ganzen Stadt, Ampelphasen, die sich an der Geschwindigkeit der Radfahrer orientieren.
Und das ist einmal ein neuer, spontan vernünftig klingender Ansatz. Dass man nicht da und dort ein bissl Platz macht für die Radfahrer, sondern dass man sagt: Der öffentliche und der Radverkehr sollen unsere Hauptverkehre werden.
Schon jetzt fahren 36 Prozent der Kopenhagener mit dem Rad zur Arbeit und es sollen bald 50 Prozent werden. Der Radverkehrsanteil in Wien liegt aktuell bei fünf Prozent und will bis 2012 acht Prozent erreichen. Das ist vergleichsweise traurig, und könnte sich ab dem Moment ändern, da Radfahrer werden nicht mehr nur toleriert, sondern hofiert werden. Und warum? Weil es funktionieren könnte. Und weil ganz Wien davon profitieren würde: Siehe Stau, Lärm, Giftgestank.