23.06.09

Na dann, Prost und Mahlzeit

Doris Knecht | 06/09 | Kurier-Kolumne

Also was jetzt!? Jahre-, ja, jahrezehntelang predigte man uns jetzt, wir sollen weniger essen, dann blieben wir gesund. Man legte uns Studien vor, die bewiesen, dass Dünne länger leben und langsamer altern. Man riet uns aus Anti-Aging-Gründen nach 17 oder 16 oder 15.30 Uhr zu fasten oder wenigstens zwei oder dreimal in der Woche auf das Abendessen zu verzichten. Mindestens zwei, nein drei Liter Wasser oder ungesüßten Tee pro Tag. Wenig Fett. Nicht zuviele Kohlehydrate. Auf keinen Fall Fett in Verbindung mit Kohlehydraten. Kein Zucker. Und unter keinen Umständen Alkohol.  Oder höchstens ein Achterl Rotwein pro Tag. Nein,  zwei. Fünf Mal am Tag Obst und Gemüse. Halt, doch nur dreimal am Tag essen und dazwischen unbedingt fünf Stunden nichts, gar nichts, auch kein Grünzeug, weil sonst unser Fett nicht effizient verbrenne.
Denn das Fettt galt nun, nachdem die Aufpasser bei der Drogenbekämpfung ein wenig ermüdeten, neben Nikotin als die große Geißel der Menschheit. Das lehrte uns auch immer wieder der Blick ins rurale Amerika, wo man Autos und Schulbänke und Särge  verbreitern muss, weil die Leute immer zahlreicher aus der Form gehen.
Und jetzt? Neue Studie: Wir sollen jetzt wieder dicker werden. Mollig sollen wir sein, ja sogar ein wenig übergewichtig: Dann lebten wir, so heißt es jetzt, fünf Jahre länger als die Mageren. Andererseits: Die Kontrollgruppe, an der das festgestellt wurde, bestand aus 50.000 Nordjapanern. Und was in Japan als dick gilt, halten die Amerikaner vermutlich für auszahrt, während das, was die Amerikaner essen, in Japan schätzomativ großteils zum Sondermüll getragen wird.
Im Prinzip sagt uns die neue Untersuchung also genau eins: Mahlzeit.  Jeder, was ihm schmeckt und gut tut: Denn die neue Appetitverderber-Studie ist garantiert schon irgendwo in Arbeit.

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