16.06.09

Schaden & Scham

Doris Knecht | 06/09 | Kurier-Kolumne

Frau R. möchte, sagt sie, lieber anonym bleiben. Dabei hat sie nur versucht, ein paar Kilo wegzuzaubern. Ein TV-Shop hatte ihr nämlich ein verlockendes Angebot gemacht: Einen figurformenden „Dream Slim Body“, der die Speckrollen so über Bauch und Hüfte verteilt, dass man eine ganze Kleidergröße spart. Frau R. wollte das, auch weil das Angebot eine „Aktion“ enthielt: Bei Erwerb eines Bodys bekomme man einen weiteren gratis dazu. Kosten: Euro 44,95.
Frau R. bestellte, bezahlte per Kreditkarte, und erhielt kurze Zeit später ein Paket der Firma K. aus Liechtenstein, das zwei Bodies enthielt. Frau R.  probierte einen und scheiterte bereits am Versuch, ihn vorsichtig über den Schenkel zu streifen.Und sie staunte über die Abrechnung, die sich folgendermaßen  zusammensetzte:
Bearbeitung für GRATIS Body            8,32
Dream Slim Body                         74,97
Rabatt                                                –37,48
Kreditkartengebühr                         0,83
Handling Gebühr                          0,83
Porto                                           12,46
Transportversicherung                     2,46
Umsatzsteuer                               12,47
Rechnungs-Betrag                        74,84
 Sie packte die Bodys wieder ein und schickte das Paket zurück. Bald darauf wurde ihr auch Geld retourniert: Und zwar genau 9,98 Euro.
Frau R. rief bei der Firma an und erfuhr, sie habe den bezahlten Body probiert, dieser sei damit wertlos, sie erhalte aber ja die Bearbeitungsgebühr für den Gratis-Body refundiert. Frau R. verlangte, dass ihr die Bodys wieder zugeschickt werden. Das wurde ihr zugesagt und geschah bis heute nicht. Die Firma rechnet offenbar damit, dass ihre beschämten Kundinnen das Recht eher nicht bemühen. 
Wenn Sie sich also zu dick fühlen: Nehmen Sie ab, sporteln Sie, irgendetwas. Aber kaufen Sie  bloß keinen Wunderbody im TV.
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