Doris Knecht
| 06/09
| Kurier-Kolumne
Bevor Leserin Klara E. ins Büro fuhr, wollte sie in der Post noch einen Brief aufgeben. Als sie durch die Tür trat, schob ein Mann gerade ein zweites mannshohes Wagerl voller Kuverts an einen der Schalter. Es gebe an dieser Post, berichtet Frau E., zwei Mal zwei Schalter, zwei vorne, zwei hinten. Es standen zwei Mitarbeiter an den hinteren Schaltern, einer begann, sich um den Geschäftspost-Herrn zu kümmern, der andere bediente eine Kundin. Eine alte Dame mit einem Brief wartete schon, Klara E. stellte sich hinter ihr an.
Als die alte Dame an der Reihe war, schloss der Beamte vor ihrer Nase den Schalter zu; er müsse jetzt seinem Kollegen mit der Geschäftspost helfen, man möge sich an die vorderen Schalter begeben. Klara E. schimpfte, wollte aber tun wie geheißen, bis sie sah, dass von den vorderen Schaltern einer geschlossen war und vor dem anderen acht Kunden warteten. Sie verließ die Filiale unerledigter Dinge. Auf der Straße begegnete ihr eine Post-Mitarbeiterin, sie trug ein Feinkost-Sackerl. Klara E. schmuggelte ihren Brief dann in die Firmenpost: So treibt einen die Post in die Kleinkriminalität.
Leser Mark S. ging mit seinem Kind einkaufen und vorher in die lokale Bäckerei, damit es sich dort – und nicht im Supermarkt – ein Kipferl aussuche. Das Kind deutete auf das gewünschte Kipferl, Mark S. beugte sich, las das Schild davor und erbat „ein Butterkipferl“. „Sind aus“, sagte die Verkäuferin. „Da liegen sie doch!“, sagte Mark S. „Das sind MÜRBE Kipferl!“, herrschte die Verkäuferin. „Steht aber Butterkipferl dran“, beharrte Mark S. Worauf die Verkäuferin geschimpft habe, dass es dann halt jemand falsch eingeordnet habe. So treibt gerade der Kontakt zum Kunden diesen in die Arme anonymer Großmärkte.